Schlanke, flexible Fertigung steigert die Wettbewerbsfähigkeit
Bei Viessmann bestimmen die Kunden

Mit seinem betriebseigenen Bündnis für Arbeit handelte sich Martin Viessmann Mitte der 90er Jahre viele Schlagzeilen und einen regelrechten Krieg mit der IG Metall ein. Erfolg hatte das Projekt gleichwohl: Eine neue Produktionslinie für wandhängende Heizkessel entstand nicht an einem tschechischen Standort, sondern im nordhessischen Allendorf. Aus den damals 113 neu entstandenen Arbeitsplätzen sind inzwischen 600 geworden. Die Gegenleistung damals: drei Stunden Mehrarbeit pro Woche ohne Lohnausgleich.

HB ALLENDORF/EDER. Das Bündnis des Heizungsbauers mit seiner Belegschaft lief 2000 aus und wurde nicht erneuert. Doch Viessmann hatte schon Neues im Sinn. Sein Ziel: "Wir streben die Kostenführerschaft in der Branche an." Denn: "Bei meinem Vater genügte noch die Innovation als Wachstumsmotor. Heute schauen auch unsere Kunden sehr kritisch auf das Preis- Leistungs-Verhältnis." Viessmanns Ansatz zur Kostensenkung: "Schlanke Prozesse und hohe Flexibilität der Strukturen sollen zu geringen Durchlaufzeiten und möglichst niedrigen Lagerbeständen führen."

Die Zutaten: synchrone Produktionsprozesse, flexible Anlagen, Einbindung der Belegschaft, Orientierung an der Wertschöpfung und eine höhere Standardisierung der Komponenten. Weil all das sehr an japanische Produktionskonzepte erinnerte, ging Martin Viessmann im Frühjahr 2002 mit einigen Mitgliedern der Geschäftsleitung, mit Leitenden aus Fertigung und Verwaltung, "Change-Managern", die den Umstellungsprozess lenken sollten, und nicht zuletzt mit seinem Betriebsratsvorsitzenden vor Ort.

In Japan nahmen die Heizkessel- Experten unter anderem einen Auto-, einen Kopiergeräte- und einen Nähmaschinen-Hersteller und sogar einen Wettbewerber kritisch unter die Lupe, lernten viel über Kanban und Kaizen, kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP) und schlanke Produktion.

Heraus kam die "Effizienzoffensive Vitotop", wie alle Produkte bei Viessmann mit dem Präfix "Vito" versehen. Die Umsetzung der japanischen Produktionsstrategien nach dem Motto "so viel Automation wie nötig, so viel Flexibilität wie möglich" ist zwar noch nicht abgeschlossen. Doch ein guter Teil der vormals starr automatisierten Fertigungsstraßen ist bereits durch flexible Arbeitsplätze ersetzt. Kleine, ergonomisch eingerichtete Montageplattformen, die jeder Arbeiter individuell einstellen kann, rollen von einer Montage-Station zur nächsten.

Da Vitotop nicht nur auf die Produktion, sondern auf alle betrieblichen Prozesse ("Perfektion entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann") zielt, bleibt auch die Verwaltung nicht verschont. Im neuen Zentralverwaltungsgebäude gibt es keine Aktenschränke mehr, lediglich kleine Rollcontainer und sogar kleinere Schreibtische als früher - man konnte kleiner bauen. Der computerisierte interne Arbeitsfluss hat das Papier überflüssig gemacht.

Seite 1:

Bei Viessmann bestimmen die Kunden

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%