Schlappe für Bundeskartellamt
Gericht stoppt Fusion von Callahan mit Netcologne

Der US-britische Kabelnetzbetreiber Callahan Associates darf die Kölner Telefongesellschaft Netcologne vorerst nicht übernehmen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die entsprechende Fusionsgenehmigung des Bundeskartellamts in einer Eilentscheidung auf Beschwerde des Kabelnetzbetreibers Primacom AG hin gestoppt (Kart. 22/01 (V)).

HB BERLIN. Die Richter schließen sich in ihrer Begründung den Argumenten des Callahan-Konkurrenten Primacom an. Sie kritisieren vor allem, dass Callahan Netcologne nach der Übernahme in das Tochterunternehmen Kabel NRW integrieren will. An Kabel NRW ist neben Callahan (55 %) die Deutsche Telekom AG mit 45 % beteiligt. Netcologne ist in Köln der härteste Wettbewerber der Telekom bei Telefon- und Internetdiensten.

Der Kartellsenat des Gerichts "hat nach seinen derzeitigen Erkenntnismöglichkeiten ernstliche Zweifel" daran, dass die Telekom keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik von Kabel NRW nehmen könne, wie Callahan beteuert. Außerdem bezweifeln die Richter, dass Callahan die Tochter Kabel NRW gemeinsam mit Netcologne schneller zu einem starken Wettbewerber der Telekom ausbauen kann als ohne die Kölner Telefongesellschaft. Davon hatte Callahan schließlich das Bundeskartellamt überzeugt.

Das Kartellamt bleibt nach Aussage eines Sprechers bei seiner Fusionsgenehmigung. "Wir haben den Fall sorgfältig geprüft und ausführlich begründet", sagte er. Entsprechend werde das Kartellamt der Aufforderung des Gerichts nachkommen und bis 30. April Stellung nehmen. Den Verhandlungstermin für das Kartellverwaltungsverfahren hat das Gericht auf den 11. Juli festgesetzt.

Nach wie vor fraglich ist allerdings, ob die bisherigen kommunalen Eigentümer den Stadtnetzbetreiber Netcologne tatsächlich an Callahan verkaufen werden. Nach monatelangen exklusiven Verhandlungen mit Callahan verhandeln sie inzwischen erneut mit mehreren Interessenten. Unter ihnen befindet sich die Vodafone-Festnetztochter Arcor und das Mailänder Telekom-Unternehmen E-Biscom.

Umstritten zwischen den Kaufinteressenten und den Verkäufern ist vor allem der Wert von Netcologne, heißt es in Verhandlungskreisen. In den Hochzeiten der Telekom-Euphorie vor einem Jahr wurden bis zu 1,1 Milliarden DM für den Stadtnetz-Betreiber geboten. Branchenkenner sehen einen realistischen Wert heute eher bei 200 Millionen DM. Von einem Kaufvertrag über Netcologne sind alle Verhandlungspartner dem Vernehmen nach noch weit entfernt.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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