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Schlauchboot für Münchens Fußball

Die spektakuläre "Schlauchboot"-Kreation wird das neue Münchner Fußball-Stadion für den FC Bayern, TSV 1860 und die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

dpa/sid MÜNCHEN. Am Freitagmittag entschied der 21-köpfige Gutachter-Ausschuss, für den Neubau des Münchner Stadions das Modell des Schweizer Architektur-Büros Herzog und De Meuron zu empfehlen, das eine durch Neonlichter veränderbare Farbe der Außenhaut zulässt. Kurz danach folgten Bayern München und 1860 München dieser Empfehlung.

Bayern-Boss Franz Beckenbauer geriet ob des Modells ins Schwärmen: "In Zukunft kann der Fan Regenschirm und Fernglas zu Hause lassen. Ob wir das schönste Stadion der Welt bekommen, ist Geschmackssache. Auf alle Fälle bekommen wir das Ungewöhnlichste. Ein Stadion zu bauen und es dann einzupacken - da muss einer erst drauf kommen. Die Architekten sind Genies. Wir bekommen etwas Einmaliges."

Zugleich gaben die Vereine bei einer groß inszenierten Pressekonferenz in einem Münchner Hotel bekannt, dass die die Namensrechte an der laut Bayern-Präsident Beckenbauer insgesamt "550 Millionen Mark" (280 Mill. Euro) teuren Arena erwirbt. Die im Raum stehende Summe von 90 Millionen Euro für dieses Recht wurde von Dr. Michael Albert, dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens in Bayern, jedoch dementiert: "Die Zahl stimmt nicht."

Der Vertrag mit dem größten deutschen Versicherungskonzern hat eine Laufzeit von 15 Jahren plus Optionsmöglichkeit. Über finanzielle Fakten sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. In dem neuen Stadion mit 66 000 Plätzen sollen bei der WM-Endrunde in vier Jahren neben dem Eröffnungsspiel ein Halbfinale sowie drei weitere Partien ausgetragen werden. Ab 2005 soll der Fußball in der neuen Arena im Stadtteil Fröttmaning rollen.

Das rautenförmige, 50 m hohe und 200 m lange Stadion soll ein aufblasbares und beleuchtetes Kunststoffkissen erhalten. Es hat drei Ränge. Bei diesem Modell wird es möglich sein, die glatte Außen-Fassade in den Vereinsfarben zu erleuchten. Damit erhält jeder Club, die "roten" Bayern und die "blauen" Sechziger, sein eigenes Farbenspiel und damit eine unverwechselbare Identität. Beckenbauer versprach Vergnügen pur: "Der Zuschauer kann das Fernglas und den Regenschirm künftig zu Hause lassen", sagte er mit einem Seitenhieb auf das Olympiastadion, in dem Bayern und "Löwen" derzeit noch ihre Spiele austragen. 104 Logen und 2000 Business-Seats sollen auch den VIPs besten Komfort in der neuen Arena bieten.

"Allianz-Arena" ist ideal

"Allianz-Arena hat sich als ideal herausgestellt", sagte Michael Albert, der Vorsitzende des Vorstands der Allianz in Bayern zur Namens-Entscheidung. Das Engagement des größten deutschen Versicherungskonzerns mit Beitragseinnahmen von 74,2 Mrd. Mark im Jahr 2001, begründete Albert so: "Die Allianz hat seit 50 Jahren ihren Firmensitz in München. Wir fühlten uns gefordert, unseren Beitrag zu leisten." Im Sportbereich war der Konzern bislang vor allem beim Formel-1-Rennstall BMW-Williams aktiv.

Der Entwurf von Herzog und de Meron, der neben "Schlauchboot" auch mit dem Titel "Schwimmreifen" bedacht worden war, setzte sich im Finale gegen die so genannte "Dornenkrone" oder das "Stacheltier" der Hamburger Architekten von Gerkan, Marg und Partner durch. Ursprünglich waren sogar acht Modelle in den Wettstreit gegangen.

"Löwen"-Präsident Karl-Heinz Wildmoser erklärte: "Der Stadion-Kindergarten wird unter der Woche den Anwohnern zur Verfügung gestellt." Fanshops, die Verwaltung, Restaurants und Fitness-Center sollen auch an spielfreien Tagen für Leben in der Allianz-Arena sorgen.

WM-Eröffnungsspiel in München

Beckenbauer, auch Präsident des Organisationskomitees für die WM 2006 in Deutschland, hatte dann gleich auch ein paar zusätzliche "Zuckerl" parat. Er gab bekannt, dass jetzt das WM-Eröffnungsspiel in München stattfinden wird und insgesamt fünf WM-Spiele in München stattfinden werden.

Während die Stadt, der Freistaat Bayern und der Bund die Autobahnanschlüsse und den U-Bahn-Ausbau finanzieren, zahlen die Vereine außer den reinen Stadionkosten auch die 11.000 PKW- und 350 Busparkplätze. Auf den Dächern der Parkgaragen soll ein Landschaftspark entstehen, der, sanft ansteigend, zum Stadion hinführt. Das Stadiondach über den Rängen ist teilweise transparent, damit der Rasen genügend Sonne erhält.

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