Schlecht beraten
Falsche Taktik kostet Stoiber Sympathien

Beim zweiten Durchgang des TV-Duells hätte Edmund Stoiber wohl besser nicht auf seine Berater gehört. Seine taktische Marschroute, dem Kanzler immer wieder seine Fehler in der Arbeitsmarktpolitik vorzuhalten, erwies sich als Flop und brachte dem Kanzlerkandidaten der Union viele kritische Diskussionsbeiträge im Onlineforum des Handelsblatts ein.

rje DÜSSELDORF. Beim zweiten Durchgang des TV-Duells hätte Edmund Stoiber wohl besser nicht auf seine Berater gehört. Seine taktische Marschroute, dem Kanzler immer wieder seine Fehler in der Arbeitsmarktpolitik vorzuhalten, erwies sich als Flop und brachte dem Kanzlerkandidaten der Union viele kritische Diskussionsbeiträge im Onlineforum des Handelsblatts ein. "Leider ist das einzige Thema von Herrn Stoiber die Arbeitslosigkeit. Deshalb musste in jeder Antwort peinlich erkennbar dieses Thema angesprochen werden", schreibt Oliver Janes aus Brühl. Ein anderer Leser meint: "Wenn Stoiber seine Kritik derart auf die Arbeitslosigkeit konzentriert, scheint die Regierung wohl in den anderen Punkten entweder gute Arbeit geleistet zu haben, oder Stoiber traut sich und seiner Kompetenztruppe keine besseren Ergebnisse zu."

Anders als vom Unionskandidaten wohl erhofft, steht offenbar für viele Menschen das Thema Arbeitslosigkeit gar nicht im Mittelpunkt der politischen Diskussion, sondern die Frage, wie sich eine Bundesregierung im Falle eines Angriffs auf den Irak verhalten soll. Mit seiner eindeutigen Stellungnahme in dieser Sache traf Bundeskanzler Schröder auch den Nerv vieler Handelsblatt-Leser. Allerdings muss Gerhard Schröder für seine klare Absage an einen US-Alleingang auch Kritik einstecken. So schreibt beispielsweise ein Leser aus München: "Schröders Position zum Irak-Konflikt ist ausschließlich wahlkampfbezogen. Wie viel Angst vor dem Machtverlust muss Schröder haben, wenn er jetzt die Parole ,Krieg oder Frieden? ausgibt?"

Die Bilanz nach zwei Runden TV-Duell fällt bei den Handelsblatt-Lesern aber eher nüchtern aus. "Unsere wirtschaftliche Lage ist eigentlich zu ernst, um daraus eine Sendung auf Ratespielniveau zu machen", meint J. Hubert aus Mannheim. Der allgemeine Tenor im Forum lautet daher auch: Bei diesem Sendeformat geht es einzig allein um die Show. Konkrete Inhalte und Konzepte für die Zukunft würden nicht transportiert. Kai Kromer aus Wiesbaden fragt: "Wie sollen in zwei kurzen TV-Duellen vier Jahre Politik bewertet werden können?" Und so wird das Duell zwischen Kanzler und Kanzlerkandidat eben doch in der Wahlkabine und nicht im TV-Studio entschieden.

Zur Handelsblatt-Umfrage: Wer hat das zweite TV-Duell gewonnen?

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