Schlechte Ausbildungslage
Wachdiensten droht Konkurrenz aus EU

Dem deutschen Sicherheitsgewerbe droht Ungemach aus Luxemburg. Ausgerechnet die deutsche Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof (EuGH), Juliane Kokott, drängt in einem Verfahren gegen die Niederlande darauf, ausländische Dienstleister stärker ins Land zu lassen.

HB BERLIN. Wenn der Vorstoß Wirklichkeit wird - und fast immer folgt der EuGH den Vorschlägen der Generalanwälte - steht den deutschen Sicherheitsdiensten weitere Konkurrenz ins Haus. "Ein neuer und ungewöhnlicher Vorstoß" meint EU-Experte Ulrich Karpenstein von der Anwaltskanzlei Redeker in Bonn: "Bisher verlangt der EuGH nur, die Vergleichbarkeit ausländischer Abschlüsse und Berufserfahrungen zu prüfen. Die Mittel und Wege überlässt er den Mitgliedstaaten. Jetzt will die Generalanwältin dafür ein eigenes Anerkennungsverfahren."

Die Folge: Unterricht und Prüfung bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) müssten deutlich besser auf ausländische Sicherheitsdienste oder Detektivbüros abgestimmt werden. Umgekehrt könnten einige schwarze Schafe der heimischen Branche die Anerkennung ausländischer Abschlüsse dazu nutzen, um die Prüfungen bei der IHK zu umgehen.

Das Niveau der Dienstleistung könnte so weiter sinken. Allein in Berlin fallen bis zu 50 Prozent der Kandidaten bei den nur mäßig anspruchsvollen Prüfungen durch. Da dürfte die Versuchung groß werden, sich demnächst einen ausländischen Abschluss zu besorgen.

Der Vorstoß trifft die Branche an der Achillesferse ihrer schlechten Ausbildungslage. Generell können die privaten deutschen Wachdienste zwar immer mehr Kunden von Großunternehmen und aus dem Öffentlichen Dienst an sich binden. Dabei werden aber Löhne gezahlt, die teilweise deutlich unter dem Niveau anderer Berufe liegen. 6,50 Euro und weniger pro Stunde haben eine Kehrseite: gut ausgebildete und motivierte Wachleute sind für solche Gehälter nur selten zu finden. Mit obligatorischen Schulungen und Prüfungen bei den IHKs wollte die Branche deshalb verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und Marketing betreiben. Diesen Bestrebungen macht Kokott jetzt einen Strich durch die Rechnung.

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