Schlechte Aussichten für 80 Millionen Kunden
Weniger Geld vom Lebensversicherer

Die Allianz Lebensversicherungs-AG, Deutschlands größter Lebensversicherer, hat die Überschussbeteiligung für seine sieben Millionen Kunden für das kommende Jahr von 6,8 Prozent auf 5,3 Prozent gesenkt. Rating-Experten hatten nur mit einer Absenkung auf 5,6 Prozent gerechnet. Gerhard Rupprecht, Vorstandschef der Allianz Leben, begründete den Schritt mit der schlechten Situation an den Kapitalmärkten. Die Rendite sei damit so niedrig wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr.

ali DÜSSELDORF. Der Beschluss des Marktführers hat Signalcharakter für die Branche. Auch Rupprecht rechnet damit, dass nun eine weitere Senkungsrunde ansteht. Traditionell legen die meisten Lebensversicherer ihre Gewinnsätze nach der Allianz im Dezember fest. Für die über 80 Millionen Policen, die die Deutschen abgeschlossen haben, dürfte damit klar sein: Die Überschussbeteiligungen sinken auf breiter Front.

Das hat gravierende Folgen. Lebensversicherungen sind eine der zentralen Säulen der Altersvorsorge. Die Deutschen haben etwa 22 % ihres privaten Vermögens in Lebensversicherungen investiert. Die Kunden verlieren durch die Senkung der Gewinnsätze zwar kein Geld, denn die bereits gutgeschriebenen Überschüsse sind ihnen sicher. Aber die Perspektiven für die Zukunft werden schlechter.

Ein Beispiel: Nach Berechnungen der Allianz bekommt ein 45 Jahre alter Mann, der einen Neuvertrag mit 20 Jahren Laufzeit und einer Monatsprämie von 100 Euro abschließt, nun 7 000 Euro weniger aus seinem Vertrag, sprich rund 38 000 Euro statt zuvor 45 000 Euro - wenn der Zinssatz über die gesamte Laufzeit bei 5,3 % bleibt.

Durch die nun anstehende Senkungsrunde droht bei Anlegern nicht nur die Finanzplanung für das Alter, sondern auch die Baufinanzierung durcheinander zu geraten. Denn oft wurden Baufinanzierungen verkauft, bei denen mit der Ablaufleistung aus einer Lebensversicherung ein Darlehen getilgt werden soll. Doch wegen der Kapitalmarktschwäche fallen die Ablaufleistungen nun geringer aus, sie sind in der Höhe nicht garantiert (siehe Kasten). "Der Vermittler muss hier auf die Risiken hinweisen, sonst setzt er sich dem Risiko aus, für eine Falschberatung haften zu müssen", sagt Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

Die Absenkung, die die Allianz jetzt angekündigt hat, geht einigen Gesellschaften möglicherweise noch nicht weit genug. Bernd Michaels, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, rechnet damit, dass einige Gesellschaften künftig nur noch den gesetzlichen Garantiezins von 3,25 Prozent zahlen werden. Die Mannheimer Versicherung hatte vergangene Woche zum Beispiel ihre Überschussbeteiligung auf dieses Niveau gesenkt. Die Allianz dürfte daher auch mit der abgesenkten Überschussbeteiligung vergleichsweise gut dastehen. Das zeigt sich auch am Neugeschäft: In den ersten neun Monaten wuchsen die Neubeiträge der Allianz Leben um rund 30 Prozent (Markt: 9,1 Prozent).

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