Schlechte Aussichten für Biometrie
Hochgejubelte Techniken im Tal der Tränen

Top oder Flop? Die Marktforscher der Gartner Group holen in ihrem Bericht "2002 Hype Cycle" die Anbieter vieler angeblicher Zukunftstechniken auf den Boden der Tatsachen zurück.

DÜSSELDORF. Bereits 1999 haben die Marktforscher der Gartner Group vorausgesagt, dass sich das E-Business anders entwickeln werde als von vielen vorausgesagt: Dem Höhenflug im Frühjahr 2000 werde der steile Absturz folgen. Gartner lag richtig, die Lebenszykluskurve (siehe Grafik) sagte Aufstieg und Fall der "New Economy" zutreffend voraus.

Gartner, eines der auf dem Gebiet der IT-Techniken weltweit führenden Marktforschungsinstitute und selbst lange Zeit einer der Propagandisten des Höhenflugs der Internet-Ökonomie, hat diese Studie nun verfeinert und sie zur Grundlage für die ökonomischen Aussichten technischer Neuerungen gemacht. Der aktuellen Studie "2002 Hype Cycle" folgend gehören Biometrie, Web Services und Grid Computing zu den künstlich hochgejubelten Entwicklungen. Dagegen sollen Virtual Private Networks und Wireless LAN erstmals profitabel sein.

Die derzeitige Phase im E-Business bezeichnen die Gartner-Forscher dagegen als "die Talsohle der Ernüchterung". Erst in sechs Jahren, also etwa ab 2008, kann man mit elektronisch abgewickelten Geschäften durchweg Gewinne realisieren, so die Prophezeiung. Zugleich soll aber auch der Begriff "E-Business" verschwinden, weil er dann ganz einfach zum ganz alltäglichen Geschäft gehört.

Schlechte Aussichten für Grid Computing

Die schlechte Prognose für Grid Computing hingegen überrascht. Schließlich ist gerade IBM hier besonders stark engagiert. Bei Grid Computing wird versucht, Rechenkapazitäten zu teilen, Datenbestände und Programme dort über Netze zur Verfügung zu stellen, wo sie gerade benötigt werden. Das ganze System soll sich dabei selbst verwalten und optimieren.

Diese Technologie werde von IBM geradezu populistisch angepriesen, kritisieren die Gartner-Experten. Tatsächlich stehe Grid Computing ebenso wie Biometrie vor dem Absturz ins Tal der Ernüchterung. Wie leicht biometrische Sicherheitsverfahren auszutricksen sind, hat gerade die Fachzeitschrift c't nachgewiesen. Einfache Basteleien reichten: ein Fingerabdruck-Scanner ließ sich durch die Reaktivierung eines alten Fingerabdrucks täuschen, Sensoren ließen sich mit Klebefolie überlisten, Gesichtserkennungssysteme konnten nicht zwischen der Realität und dem Foto einer Person unterschieden. Es werde noch mindestens zehn Jahre dauern, bis Grid Computing und Biometrie eine Marktreife erlangt haben, urteilt Gartner.

Auch Web-Dienste enttäuschen

So befänden sich auch die Web Services, also die Internet gestützten Dienstleistungen, die bis vor Kurzem noch als das Thema mit großartigen Wachstumsaussichten beschrieben wurde, im Sturzflug ins Tal der Desillusionen. Sie werden, so die Einschätzung von Gartner, frühestens in zwei bis fünf Jahren einsatzbereit sein.

Das Tal der Ernüchterung haben dagegen die Wireless-LAN (drahtlose lokale Netzwerke) und die Virtual Private Networks (geschlossenes Netzwerk, das sich der Internet-Technologie bedient), bereits durchschritten. Die Entwicklung bei Wireless LAN ist inzwischen sogar schon so weit fortgeschritten, dass Experten ernsthaft eine Gefahr für den wirtschaftlichen Erfolg des Mobilfunkstandard UMTS sehen.

Im Tal der Tränen befinden sich hingegen eine Reihe von "Hypes", die die IT-Anbieter übertrieben herausstellen: Die Spracherkennung beispielsweise. Sie benötigt noch zwei bis fünf Jahre bis zum kommerziellen Durchbruch, so Gartner. Ebenso Location Based Services, was als großer Hoffnungsträger für die Mobilfunkanbieter gesehen wird, die mit diesen lokal angeboten Dienstleistungen hohe Umsatzerwartungen verknüpfen. Auch E-Payment (elektronisches Bezahlen) oder Voice-over-IP (Telefonieren mit Hilfe des Internets) werden überschätzt.

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