Schlechte Aussichten für das vierte Quartal – Besserung erst Mitte nächsten Jahres in Sicht
Gewinne der US-Konzerne gehen wieder zurück

Für die amerikanischen Unternehmen geht ein verlustreiches Jahr mit einem erneuten Gewinneinbruch im vierten Quartal zu Ende: Nach Berechnungen des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial/First Call rechnen die Analysten an der Wall Street damit, dass die Erträge der im Standard & Poor?s 500 (S&P 500) notierten US-Firmen zwischen Oktober und Dezember noch einmal um mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahr gesunken sind.

NEW YORK. "Das vierte Quartal wird ein Desaster - und das, obwohl der Vergleichszeitraum Ende 2000 bereits sehr schwach war", sagt Chuck Hill, Direktor bei First Call.

Die Gewinne der US-Unternehmen sinken damit bereits seit fünf Quartalen hintereinander. Das hat es seit Ende der 60er Jahre nicht mehr gegeben. Insgesamt haben inzwischen schon 518 Firmen angekündigt, dass sie im Schlussquartal dieses Jahres ihre Ergebnispläne nicht erreichen werden. Dazu gehören nicht nur Krisenbranchen wie die Luftfahrt- und Stahlindustrie. Mitte Dezember schockte der Pharmakonzern Merck die Investoren mit der Ankündigung, dass er die Gewinnerwartungen der Wall Street nicht werde erfüllen können.

Die schwache Ertragslage der US-Konzerne könnte für die größte Volkswirtschaft der Erde zu einem ernsthaften Problem werden. Ohne ausreichende Gewinne werden die Unternehmen nicht wieder investieren und keine neuen Mitarbeiter einstellen. Der ersehnte Wirtschaftsaufschwung kann keine Eigendynamik entwickeln und verpufft als Strohfeuer. Eine deutliche Ertragswende ist auch die Voraussetzung dafür, dass die derzeitige Kursrally an den Aktienmärkten ein sicheres Fundament bekommt - und nicht bereits nach wenigen Monaten als neuerliche Spekulationsblase platzt.

Das abgelaufene Jahr 2001 war für die amerikanischen Unternehmen eines der schwierigsten seit Jahrzehnten. Die Wirtschaftskrise hat sich zu einer handfesten Rezession entwickelt, die von den Terroranschlägen am 11. September noch beschleunigt wurde. Mehr als eine Million Arbeitsplätze haben die Firmen abgebaut. Insbesondere die Fluggesellschaften - aber auch viele Technologiefirmen - haben Zehntausende Mitarbeiter entlassen. Steve Galbraith, Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter, schätzt die Kosten für die in diesem Jahr in der US-Wirtschaft vorgenommenen Restrukturierungen auf den Rekordwert von 135 Mrd. $.

Wucht der Rezession hat Analysten überrascht

Die Analysten sind von der Wucht der Rezession weitgehend überrascht worden. Hatten sie Anfang des Jahres noch ein leichtes Gewinnplus von 7 % voraus gesagt, erwarten sie nach einer Befragung von Thomson Financial/First Call jetzt einen Ertragseinbruch von fast 17 % für 2001 - so schlecht waren die Ergebnisse der US-Firmen zuletzt in der Rezession Anfang der 80er Jahre. Einigkeit herrscht unterdessen darüber, dass es im kommenden Jahr aufwärts gehen wird. Allerdings ist die Lage in den Unternehmen bei weitem noch nicht so gut, wie die steigenden Börsenkurse es vermuten lassen.

"Insbesondere viele Technologieunternehmen sind bereits überbewertet. Die Analysten erwarten einfach zuviel", bemerkt Finanzexperte Hill. So rechne die Wall Street im ersten Quartal 2002 noch mit einem Gewinnrückgang von 34 % im Technologiesektor. Drei Monate später werde bereits ein Ertragsplus von 33 % einkalkuliert. "Das ist ein riesiger Sprung innerhalb sehr kurzer Zeit", warnt der Direktor von First Call.

Zur Hilfe kommt den US-Unternehmen eine Änderung in der Rechnungslegung. Vom nächsten Jahr an kann der Firmenwert (Goodwill) bei Übernahmen oder Fusionen nicht mehr abgeschrieben werden. Beim Firmenwert handelt es sich um die Differenz zwischen Kaufpreis und den in der Bilanz vorhandenen Vermögenswerten (abzüglich der Verbindlichkeiten).

Die Gewinne werden durch diese Änderung höher ausfallen als sie im operativen Geschäft tatsächlich sind. So rechnet Analyst Galbraith von Morgan Stanley zwar mit einem Gewinnwachstum von 8 % im nächsten Jahr. Allein sechs Prozentpunkte werden jedoch seiner Meinung nach auf das Konto der neuen Bilanzierungsvorschriften gehen. Galbraith liegt mit seiner Gewinnschätzung weit hinter den meisten anderen Analysten - sie erwarten im Durchschnitt 2002 eine Ergebnisverbesserung von 16 %.

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