Schlechte Aussichten für Schiffsbauer – Studie prognostiziert deutlichen Rückgang der Auslastungen
Mehreren deutschen Werften droht das Aus

Die SSW Werft in Bremerhaven mit ihren 700 Beschäftigten steht unmittelbar vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, die Flender Werft hat ihn bereits gestellt. Bei den ostdeutschen Werften wird über Härtefallregelungen - Weihnachtsgeld gegen Beschäftigungsgarantie - verhandelt.

HAMBURG. Die deutschen Werften arbeiten mit einer hohen Auslastung von 92 %, darunter die ostdeutschen Werften sogar mit 100 %. Doch Freude will sich nicht einstellen. Der Grund: die Unternehmen arbeiten lediglich die hohen Auftragsbestände der Vorjahre ab. Dies betrifft vornehmlich den Handelsschiffbau. Bei Marineschiffen sieht es besser aus.

Wie die IG Metall und die Universität Bremen in der jährlichen Werftenanalyse bei den Auftragseingängen für die Werften feststellen, ist es seit Herbst 2001 zu einem drastischen Einbruch bei den Neubau-Orders gekommen. Die Folgen des 11. September ließen weltweit den Markt für Kreuzfahrtschiffe lahmen. Der Markt für Containerschiffe leidet noch immer unter hohen Überkapazitäten und dem von koreanischen Werften ausgelösten Preisverfall.

Als sichtbare Folge davon konnten die deutschen Werften im Handelsschiffneubau seit September 2001 nur Aufträge für sechs mittelgroße und kleine Containerschiffe, eine Fähre, zwei so genannte Roll-on-Roll-off--Frachter sowie einige kleinere Schiffe hereinnehmen.

Die Auslastung der Kapazitäten wird nach derzeitigem Stand im kommenden Jahr auf 78,5 % absinken, prognostiziert die Studie. Sie kann demnach bis 2004 sogar auf 60 % rutschen, falls sich der Markt nicht belebt.

Doch hofft Werner von Nitzsch, Chef der Hamburger Werft Blohm+Voss GmbH, noch in diesem Jahr auf Aufträge für ein neu entwickeltes Luxuskreuzfahrtschiff.

Auftragsbelebend könnten nach dem Kalkül der Werften die vom Oktober 2002 bis März 2004 befristeten EU--Werftenhilfen von bis zu 6 % für Containerschiffe und verschiedene Tankertypen wirken. Doch die von der Bundesregierung bereitgestellten 24 Mill. Euro für das Jahr 2003 sind noch durch die Fluthilfe blockiert.

Auch werde die Wettbewerbshilfe nur in Verbindung mit einer WTO-Klage gegen Korea helfen, den Werften Luft zu verschaffen, betont IG Metall-Bezirksleiter Frank Teichmüller. Allein reiche sie zum Ausgleich der niedrigen koreanischen Schiffbaupreise nicht aus.

Deutsche Reeder zeigten sich am Rande der Schiffbaumesse SMM2002 in Hamburg ebenfalls skeptisch, dass die Subvention den Werften hilft. Der Hamburger Containerreeder und Mitinhaber der insolventen Flender Werft in Lübeck, Claus Peter Offen, nennt als Weltmarktpreis für ein Containerschiff mit einer Tragfähigkeit von 4000 TEU (20-Fuß-Normcontainer) 40 Mill. Dollar. In Deutschland koste dies 55 Mill. Dollar. Offen schätzt, dass in den nächsten Jahren höchstens die Hälfte der größeren deutschen Werften überleben kann. Ebenso skeptisch für die deutsche Werftindustrie zeigt sich Norddeutsche Vermögen-Chef Bernd Kortüm, der einer der großen deutschen Schiffsfinanzierer und zugleich Reeder. Er gibt Eigentümer geführten Werften, wie dem Kreuzfahrtspezialisten Meyer in Papenburg und den Marinewerften wie Howaldtswerke Werft-Deutsche AG (HDW) oder den Thyssen-Werften Blohm+Voss und TNSW Überlebenschancen.

In der Krise stecken bereits drei Werften. Die Flender Werft in Lübeck mit 800 Beschäftigten hat sich an einem griechischen Fährenauftrag verhoben und Insolvenz angemeldet. Die Schlömer Werft in Leer mit 14 Mitarbeitern schließt im November. Durch falsch kalkulierte Aufträge ist die SSW Werft in Bremerhaven in Schwierigkeiten geraten. Da Bremen keine Hilfe gewährt und sich die Banken zurückhalten, stehe der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bevor, heißt es.

In Ostdeutschland arbeitet der norwegische Konzern Aker Kvaerner Yards an der Zusammenführung der Aker MTW Werft (AMTW) in Wismar und Kvaerner Warnow in Warnemünde zu einem Unternehmen. Beide Werften zusammen verfügen mit 2 503 Arbeitnehmern über einen Auftragsbestand von einem Kreuzfahrt- und zwölf Containerschiffen bei letzter Ablieferung Ende 2003. Bei AMTW und Kvaerner Warnow wird über eine Härtefallregelung verhandelt, nach der die Mitarbeiter gegen Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld eine Beschäftigungsgarantie erhalten. Bei der Volkswerft Stralsund gilt diese Regelung bereits.

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