Schlechte Konjunkturaussichten
Kurse fallen, doch Aktien bleiben teuer

Zweifel an der erwarteten Erholung der US-Wirtschaft lassen die Börsen immer tiefer fallen. Dennoch erhöht sich die individuelle Bewertung der meisten Aktien, da die Gewinne der Unternehmen den Prognosen nicht entsprechen.

HB DÜSSELDORF. Zweifel an der erwarteten Erholung der US-Wirtschaft lassen die Börsen immer tiefer fallen. Dennoch erhöht sich die individuelle Bewertung der meisten Aktien, da die Gewinne der Unternehmen den Prognosen nicht entsprechen. Das bedeutet konkret: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa amerikanischer Aktien liegt mit Werten von rund 35 beinahe so hoch wie auf dem Höhepunkt des Technologiebooms vor zweieinhalb Jahren.

"Es ist die Angst vor einer erneuten Rezession", begründet Arnie Owen von Roth Capital Partners die Kursrückgänge. Nach schlechten Unternehmensausblicken und US-Konjunkturdaten wächst die Sorge. Freitag wurde bekannt, dass amerikanische Unternehmen im Juli nur 6 000 Mitarbeiter einstellten. Volkswirte hatten mit einem Plus von 69 000 gerechnet. Zudem sank der Auftragseingang der Industrie so stark wie seit sieben Monaten nicht mehr. "Es sieht nicht so aus, als ob sich die Unternehmensgewinne dieses Jahr noch bessern", sagt Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW).

Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen von derzeit 1,75 % im vierten Quartal auf bis zu 1,0 % senken könnte. Das wäre das niedrigste Zinsniveau seit 50 Jahren.

Kurz vor dem Ende der Berichtssaison für das zweite Quartal zeichnet sich ab, dass auch die Belebung im zweiten Halbjahr ausfällt. Die meisten Firmen stoppten zwar die Talfahrt der Erträge, sehen aber keine Erholung. Dadurch erhöhen sich die Bewertungen an den Börsen drastisch. So ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Unternehmen im marktbreiten amerikanischen S&P-500- Index mehr als doppelt so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Immer mehr Investmenthäuser, zuletzt Strategen bei DKW und Comstock Partners, sehen den S&P deshalb noch deutlich weiter fallen.

In Europa näherten sich die Bewertungen nach den starken Kurseinbrüchen zwar wieder dem langjährigen Durchschnitt von knapp 15. Allerdings basieren die Berechnungen auf erwartete Gewinnsteigerungen von 30 % im Euro Stoxx 50. "Die Gewinnschätzungen sind zu hoch und werden noch runterkommen", ist sich Oppenheim-Spezialist Ralf Zimmermann sicher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%