Schlechte Konjunkturdaten
Bayer- und Telekom-Kurssprünge lassen Dax steigen

Deutliche Kurszuwächse bei den Aktien von Bayer und der Telekom haben dem Deutschen Aktienindex (Dax) am Dienstag Gewinne beschert. Die wieder wachsende Angst vor einem Irak-Krieg sowie schwache Konjunkturaussichten trübten jedoch die Stimmung der Anleger und begrenzten die Kursanstiege.

Reuters FRANKFURT. Deutschlands wichtigster Börsen-Index Dax schloss 2,43 Prozent höher bei 3115 Punkte. Bis zum Wochenende werde der Dax aber vermutlich wieder fallen, beschrieb SEB-Aktienhändler Wolfgang Kuhl die Sorge vieler Investoren. "Die Angst vor einem Krieg im Irak ist definitiv wieder präsent." Das irakische Parlament hatte am Dienstag die Abrüstungsresolution der Vereinten Nationen (UNO) abgelehnt und Präsident Saddam Hussein empfohlen, sie ebenfalls abzulehnen.

Börsen-Analysten sagten, es sei wichtig, dass sich der Dax über der wichtigen Marke von 3000 Zählern halte. Andernfalls drohten weitere Kursverluste.

Deutliche Kursgewinne verzeichnete die Aktie von Bayer. Das Unternehmen hatte zuvor seinen Anspruch auf eine Mehrheit bei der angestrebten Partnerschaft im Pharmageschäft aufgegeben, was Branchenexperten positiv werteten. Auch die Titel der Deutschen Telekom verteuerten sich merklich, was Händler auf überraschend gute Geschäftszahlen des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone zurückführten.

Der Nebenwerte-Index MDax lag zuletzt 0,02 Prozent im Plus bei 3120 Punkten. Am Neuen Markt kletterte der Auswahlindex Nemax50 3,5 Prozent auf 422 Zähler.

Bayer gibt Mehrheitsanspruch auf

Im Mittelpunkt des deutschen Marktgeschehens standen die Aktien der Bayer AG, die um fast sieben Prozent auf 20,94 Euro kletterten. Zur Aufgabe des Mehrheitsanspruchs bei der geplanten Kooperation im Pharmabereich sagte ein Branchenkenner: "Das erweitert den Kreis potenzieller Interessenten." Vielleicht könne Bayer in absehbarer Zukunft bereits einen Partner präsentieren. Das abgelaufene Quartal blieb indes hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Telekom-Papiere legten knapp sieben Prozent auf 11,46 Euro zu. Vodafone hatte zuvor einen deutlichen Anstieg des operativen Gewinns bekannt gegeben. Außerdem stieg der Umsatz im Mobilfunkbereich stärker als erwartet, was der Vodafone-Aktie zu einem Anstieg von knapp 13 Prozent verhalf. Voraussichtlich am Donnerstag wird die Telekom eigene Kennziffern vorlegen.

Auch Post - und Technologieaktien gefragt

Gefragt waren an der Börse zudem die Aktien der Deutschen Post, die um 6,15 Prozent zulegten. UBS Warburg hatte die Aktie zum Kauf empfohlen, statt sie zu halten.

Technologiewerte profitierten Händlern zufolge von guten Nachrichten aus der Branche. Vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen am Mittwoch stiegen Siemens-Aktien um mehr als drei Prozent. Über vier Prozent teurer wurden sogar die Anteilsscheine des Softwareherstellers SAP gehandelt. Der US-Netzwerkausrüster Cisco Systems hatte zuvor den Auftragsbestand auf über 1,4 Milliarden Dollar beziffert, was der Aktie zu einem Kurssprung verhalf. Zudem erwartet der US-Softwarehersteller Oracle nach zwei Jahren rückläufiger Umsätze 2003 wieder steigende Erlöse.

Commerzbank verunsichert Anleger

Mit dem Gesamtmarkt schlossen schließlich die Titel der Commerzbank im Plus, bei 7,19 Euro knapp drei Prozent höher als noch am Montag. Die vorgelegten Geschäftszahlen sowie der weiter fehlende Ausblick auf das Gesamtjahr verunsichere aber den Markt, sagte der Fondsmanager Thomas Jökel von Union Investment. Die Commerzbank verbuchte im dritten Quartal einen Vorsteuerverlust von 133 Millionen Euro und bestätigte damit einen Reuters-Bericht vom Montag.

Die heutigen Kursgewinne könnten in den nächsten Tagen wegen des drohenden Irak-Krieges wieder abgegeben werden, hieß es am Markt. Ein möglicher Krieg sei neben der flauen Konjunktur eine weitere Belastung für das Wachstum. Nach den jüngsten Erkenntnissen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bleiben die Konjunkturaussichten in Deutschland schwach. Der vom ZEW ermittelte Index der Konjunkturerwartungen ist im November viel stärker als von Volkswirten geschätzt auf 4,2 (Vormonat 23,4) Punkte gefallen.

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