Schlechte Konjunkturnachrichten und Rezessionsszenarien drücken den Kurs
Loewe mausert sich zum Schnäppchen

Und wieder hat die Börse es eher gewusst. Wochenlang fiel der Loewe-Kurs, ohne dass es schlechte Nachrichten gab. Der Premiumanbieter im umkämpften Markt für Unterhaltungselektronik schien der Konjunkturkrise zu trotzen, und Analysten überschlugen sich mit Kaufempfehlungen.

DÜSSELDORF. Doch die Mehrheit der Aktionäre verkaufte weiter. Seit ein paar Tagen kennen wir den Grund: Loewe räumte ein, sein Gewinnziel nicht einhalten zu können. Prompt verlor der MDax-Titel ein weiteres Drittel an Wert. Jetzt lohnt sich allerdings ein näherer Blick auf die Aktie. Nach allen Bewertungsmodellen ist sie ein Schnäppchen - vorausgesetzt, es folgen nicht neue und drastischere Gewinnwarnungen.

Angesichts unsicherer Aussichten im Weihnachtsgeschäft reduzierte Loewe seine Ziele. Anstatt eines Ergebnisses vor Steuern und Zinsen von 28,6 Mill. Euro werden jetzt "leicht über" 20 Mill. Euro anvisiert. Das wäre so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz soll den 2001er-Wert von 372 Mill. Euro etwas übertreffen. Grund für die Schwäche sind neben der Kaufzurückhaltung im Stammland Deutschland hohe Anlaufverluste in den USA und eine Deckungslücke im Pensionsfonds nach dem Einbruch an den Börsen.

Vor allem das Engagement in den USA lastet auf dem fränkischen Spezialisten. Loewe steigt mit seinen Luxusprodukten - etwa Flachbildschirmen - zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt in den Markt ein: Die amerikanischen Verbraucher sind so pessimistisch wie schon lange nicht mehr. Da verwundert es kaum, dass sie eine neue, ausländische und dazu noch teure Marke mit Skepsis anschauen.

Nach einem Verlust von 0,8 Mill. Euro im dritten Quartal rechnet Loewe in den letzten drei Monaten 2002 mit einem Minus von 1 Mill. Euro im US-Geschäft. Hier sind vor 2004 keine Gewinne zu erwarten.

Die Sorge vor einer Kaufzurückhaltung der Verbraucher ist die wesentliche Ursache für den Kursverfall. Denn wie soll ein Produzent edler Konsumgüter prosperieren, wenn womöglich die führenden Industrienationen in eine Rezession rutschen? Jede schlechte Konjunkturnachricht belastet deshalb den Loewe-Kurs aufs Neue.

Doch zurück zu den harten Fakten des Unternehmens. Diese sprechen auch nach den reduzierten Erwartungen für eine krasse Unterbewertung der Aktie. 20 Mill. Euro Gewinn in diesem Jahr bedeuten einen Ertrag pro Aktie von mehr als zwei Euro. Bei einem derzeitigen Kurs von knapp zwölf Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei weniger als sechs. Gemessen an der Branche sowie der bisherigen und künftigen Ertragsentwicklung, erscheint selbst ein KGV von zwölf als preiswert. Um dieses Niveau zu erreichen, müsste sich der Aktienkurs verdoppeln - oder der Firmengewinn halbieren; mit letzterem ist nur bei einer tiefen Rezession zu rechnen. Bisher rechnet das Management mit einem zehnprozentigen Ertragszuwachs für 2003. Damit würde das KGV auf gut fünf sinken.

Kursstützend bis-treibend sollte die Dividendenrendite sein. Konzernchef Rainer Hecker erwartet, dass wie im Vorjahr 85 Cent je Aktie ausgeschüttet werden. Das ergibt eine Dividendenrendite von sieben. Sichere Staatsanleihen bieten weniger als die Hälfte. Selbst Unternehmensanleihen hoch verschuldeter Telekom-Unternehmen bringen weniger als 7 %.

Warum fällt der Aktienkurs dennoch täglich auf neue Allzeittiefs? Neben der Angst vor der Rezession geben vielleicht die hohen Umsätze in den vergangenen Tagen Aufschluss. Sie deuten darauf hin, dass sich große Investoren zurückziehen. Für sie hat die Börsenkapitalisierung bei Loewe mit inzwischen weniger als 100 Mill. Euro eine kritische Grenze unterschritten. "Viele Fonds gehen dann aus einer Aktie raus, weil die Liquidität zu gering wird", sagt Stephan Wittwer von der Landesbank Baden-Württemberg. Bewertung und Gewinnaussichten zählen nicht mehr.

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