Schlechte Marktbedingungen in den USA
Daimler-Chrysler wechselt Spitze bei Chrysler aus

Der Stuttgarter Konzern hat die Führung ihrer angeschlagenen US-Tochter Chrysler ausgewechselt und zugleich vor schlechter als erwarteten Ergebnissen bei Chrysler gewarnt.

rtr/vwd/dpa STUTTGART. Die Daimler-Chrysler AG hat die Führung ihrer angeschlagenen US-Tochter Chrysler ausgewechselt und zugleich vor schlechter als erwarteten Ergebnissen bei Chrysler gewarnt. Der Konzern teilte am Freitag in Stuttgart mit, der Aufsichtsrat habe dem bisherigen Nutzfahrzeug-Chef Dieter Zetsche mit sofortiger Wirkung die Führung bei Chrysler übertragen. Der bisherige Chrysler-Chef James Holden scheide aus. Daimler-Chrysler kündigte an, die erwarteten Ergebnisse bei Chrysler würden schlechter ausfallen als bisher angenommen. Dies werde sich auch auf die Ertragslage des gesamten Konzerns auswirken. Bei Chrysler sei nun eine schonungslose Bestandsaufnahme geplant. Der Kurs der Daimler-Aktie fiel zeitweise auf einen neuen Tiefststand.

Daimler-Chrysler kündigte an, die neue Führung werde im ersten Quartal 2001 ein Programm zur Neuausrichtung von Chrysler vorlegen. Die sich rasch veränderte Marktlage in den USA mache es nötig, die Chrysler Group grundlegend neu zu positionieren und zu strukturieren, um eine Wende zu erreichen. "Dieses Programm, das innerhalb des ersten Quartals 2001 vorgestellt werden soll, wird fokussiert sein auf die Verbesserung der Kostensituation, die Neuausrichtung der Produktpalette und Steigerung der nationalen und internationalen Marktposition."

Erstmals Deutscher an der Spitze der US-Sparte

Mit dem Führungswechsel zog Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp die Konsequenzen aus den Ertragsproblemen bei Chrysler. Mit Zetsche steht erstmals ein Deutscher an der Spitze der US-Sparte. Der Führungswechsel fand exakt am zweiten Geburtstag des aus der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler entstandenen transatlantischen Konzerns statt: Am 17. November 1998 war die Daimler-Chrysler-Aktie an den Börsen eingeführt worden. Zusammen mit Zetsche wurde der 40 Jahre alte Daimler-Manager Wolfgang Bernhard mit der Umstrukturierung bei Chrysler beauftragt. Bernhard werde als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft verantwortlich sein, teilte das Unternehmen mit.

Seit der Vorlage des Ergebnisses des dritten Quartals Ende Oktober hätten sich die Marktbedingungen weiter verschärft, gab der Konzern weiter bekannt. "Die Ergebnisse der Chrysler Group werden unter der zuletzt bekannt gegebenen Prognose liegen und damit natürlich auch einen Einfluss auf das Ertragsniveau des Konzerns haben." Chrysler hatte im dritten Quartal einen Verlust von 579 Mill. Euro erwirtschaftet. Nach bisherigen Plänen sollte Chrysler im vierten Quartal wieder Gewinne machen.

Auch im 4. Quartal rote Zahlen erwartet

Daimler-Chrysler hatte bislang für dieses Jahr durch die Probleme bei Chrysler einen Rückgang des operativen Gewinns (ohne Einmaleffekte) auf etwa 7 (Vorjahr 10) Mrd. Euro erwartet. Ob die US-Sparte im vierten Quartal nochmals Verluste schreiben wird, ließ der Konzern offen. Analysten gehen davon aus, dass Chrysler in den roten Zahlen bleiben wird.

Schrempp sprach von einer "schwierigen Herausforderung" für Zetsche. "Er hat in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass er ein Unternehmen wieder zu profitablem Wachstum führen kann", sagte er. Dem bisherigen Chrysler-Chef Holden widmete Daimler-Chrysler nur einen Satz: "Ihm gebührt Dank für seinen langjährigen Einsatz für das Unternehmen."

Auf dem US-Automarkt herrscht seit Monaten wegen der erwarteten Konjunkturabkühlung ein extremer Preiswettbewerb. Hersteller gewähren hohe Nachlässe oder günstige Finanzierungen für Fahrzeuge, um ihre Marktanteile zu halten oder auszubauen. Die US-Sparte von DaimlerChrysler ist davon doppelt betroffen, da Wechsel bei wichtigen Modellreihen anstehen und der Konzern die alten Modelle noch verkaufen muss.

Eckhard Cordes ist neuer Nutzfahrzeug-Chef

Zetsche, der seit langem als einer der möglichen Nachfolger Schrempps gilt, leitete bisher die Nutzfahrzeug-Sparte. Zu seinen Verdiensten wird seine Rolle bei der US-Lkw-Tochter Freightliner Anfang der 90-er Jahre gezählt. Damals habe Zetsche Freightliner in kurzer Zeit in die Gewinnzone gebracht. Neuer Nutzfahrzeug-Chef wird der bisherige Strategievorstand Eckhard Cordes, dessen Position zunächst nicht besetzt wird.

Die Deutsche Bank gab als größter Aktionär der Daimler-Chrysler-Führung Rückendeckung. Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte, er sei überzeugt, dass die Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler das richtige strategische Konzept gewesen sei. Jedoch sei seine Bank - sie hält knapp 12 % der Aktien - unzufrieden mit dem Kurs der Daimler-Aktie. DaimlerChrysler teilte mit, der Aufsichtsrat habe in seiner Sondersitzung die strategische Ausrichtung des Konzerns nochmals begrüßt.

Zeitung: Daimler-Chrysler-Verantwortliche erwägen Chrysler-Verkauf

Die "New York Times" berichtete am Freitag ferner, dass einige Aufsichtsratsmitglieder angesichts des Kursrückgangs der Daimler-Chrysler-Aktie und der düsteren Aussichten für den amerikanischen Autobauer im privaten Kreis bereits über den Verkauf von Chrysler-Teilen diskutieren. Die Quellen, die laut der Zeitung "nah dran" sind an der internen Debatte, hielten die Chancen für einen auch nur teilweisen Verkauf von Chrysler in der näheren Zukunft allerdings für gering. Die Mehrheit des Top-Managements stehe weiter zu Chrysler, aber eine Minderheitsfraktion suche inzwischen nach Alternativen.

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