Schlechte Nachrichten für die Citigroup
Salomon Smith Barney in Worldcom-Affäre verstrickt

Der ehemalige Star-Analyst Grubman soll wichtige Rolle bei unsauberen Geschäften mit Neuemissionen gespielt haben. Das geht aus den Dokumenten hervor, die SSB dem Untersuchungsausschuss des US-Kongress übergeben hat. Der Ausschuss beleuchtet den Zusammenbruch des Telekom-Konzerns Worldcom.

NEW YORK. Die Investmentbank und Tochter der Citigroup hat den Unterlagen zufolge die Aktien in Einzelfällen sogar einige Tage nach dem Börsengang zum Ausgabepreis in die Depots der Begünstigten gebucht. In den Boomzeiten der Interneteuphorie war das so gut wie Bargeld, da die Preise nach dem Börsenstart oftmals ein Vielfaches des Ausgabepreises erreichten.

SSB steht permanent in den Schlagzeilen

Für die Citigroup sind das weitere schlechte Nachrichten. Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem der Finanzkonzern mit seiner Investmentbank-Tochter und dem ehemaligen Star-Analysten Jack Grubman nicht in den Schlagzeilen steht. Ende vergangener Woche war sogar der Name des Vorstandsvorsitzenden des Finanzkonzerns, Sanford Weill, genannt. Nach Informationen des Wall Street Journals untersucht die US-Börsenaufsicht SEC derzeit, ob Weill Grubman dazu aufgefordert hat, den Telekom-Konzern AT&T besser zu bewerten, um einen lukrativen Auftrag für den Börsengang der Mobilfunktochter von AT&T zu gewinnen.

Die Dokumente, die SSB diese Woche dem Ausschuss zur Verfügung gestellt hat, weisen auch bei Worldcom auf eine Schlüsselrolle von Grubman, der vor zwei Wochen zurückgetreten ist, bei der Zuteilung von Aktien hin.

Vielfältige Beziehungen unter die Lupe genommen

Der Untersuchungsausschuss des Kongress nimmt derzeit die vielfältigen Beziehungen zwischen Worldcom und der Investmentbank unter die Lupe. Salomon Smith Barney hat mit Worldcom im Rahmen von Beratungs- und Emissionsgeschäften Millionen verdient. Die Kongress-Mitglieder wollen herausfinden, ob die Bank versucht hat, durch positive Analystenurteile und die aufgedeckten Aktiendeals an einzelne Top-Manager an die lukrativen Aufträge von Worldcom zu kommen. Diesen Vorwurf hatte jüngst auch ein ehemaliger Mitarbeiter in einer Klage gegen Salomon formuliert. Dabei wurde auch der Name des Gründers und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Worldcom, Bernard Ebbers genannt.

Salomon Smith Barney gibt zu, in einem Fall 35 000 Aktien an einen einzelnen Manager gegeben zu haben. Dass sie damit Aufträge gewinnen wollte, bestätigte die Bank jedoch nicht.

Dieser Aussage tritt jedoch John Coffee, Jura-Professor der Columbia University in New York gegenüber dem Wall Street Journal entgegen. Er vermutet, dass ein Großteil der Aktien zum Börsengang im Rahmen der sogenannten "Friends and Family"-Programme verteilt wurden. Diese Programme sind eigentlich für Kunden und Familienmitglieder des Managements der Unternehmen, die an die Börse gehen, gedacht - und nicht für die Freunde und Verwandten der Banken. "Das heißt nicht, dass das illegal ist. Aber es zeigt, dass die Aktien nicht im Interesse der Internet-Unternehmen, sondern im Interesse der Konsortialbanken vergeben wurden", sagt Coffee.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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