Schlechte Note für die Weltgemeinschaft
Die Vereinten Nationen fordern Taten statt Worte

Eine schlechte Note erteilte UN-Generalsekretär Kofi Annan der Weltgemeinschaft kürzlich bei der Überprüfung ihrer großen Versprechen. Das Ergebnis sei "bestenfalls gemischt", sagte der UN-Chef, nachdem er die Millenniumserklärung aller UN-Mitglieder Punkt für Punkt mit ihrer Umsetzung seit September 2000 verglichen hatte.

HB/dpa NEW YORK. Stellten sich nicht bald Fortschritte ein, so bliebe am Ende nichts als "eine bittere Erinnerung an vernachlässigte menschliche Nöte und gebrochene Versprechen" übrig, wetterte Annan.

Dass längst nicht alle Punkte der Abschlusserklärungen großer UN - Konferenzen in Erfüllung gehen und schon gar nicht in der vorgesehenen Zeit, ist bei den Vereinten Nationen in New York kein Geheimnis. Das soll jetzt anders werden. UN-Chef Annan zieht die Zügel straffer, wie er die internationale Gemeinschaft mit der Ankündigung jährlicher "Zeugnisse" wissen ließ. "Konferenzen der zweiten Generation" sollen weniger neue Ziele setzen, als vielmehr die bereits formulierten verwirklichen helfen. Würden die Versprechen der wichtigsten UN-Konferenzen dieses Jahres in Monterrey (Mexiko), New York und dem südafrikanischen Johannesburg eingehalten, dann gäbe es unter anderem bald eine neue, intensivere Nord-Süd-Partnerschaft. In ihr soll die Rolle des Handels und der privaten Kapitalströme bei der Armutsbekämpfung entschieden ausgebaut werden.

An greifbaren Ergebnissen brachte die Monterrey-Konferenz für Entwicklungsfinanzierung im März hauptrangig die Zusage der USA und der Europäischen Union, ihre Mittel um 50 Prozent auf 15 Milliarden beziehungsweise um 36 Prozent auf 32 Milliarden Dollar jährlich aufzustocken. Im Gegenzug verlangt Washington von den Empfängern erstmals eine gute Regierungsführung und die Öffnung der Märkte.

Der zweite Weltkindergipfel endete im Mai in New York mit einem Aktionsplan, der im Kampf gegen Kinder- und Müttersterblichkeit, für die Eindämmung von Aids sowie für den Schutz von Minderjährigen in bewaffneten Konflikten weitere Ziele setzt. Vor allem aber spricht er allen jungen Menschen das Recht auf Sexualaufklärung und Schwangerschaftsverhütung zu. Novum des Gipfels: Neben 70 Staats- und Regierungschefs sowie Ministern nahmen erstmals auch Kinder und Jugendliche mit allen Rechten als Delegierte teil.

Etwas Neues ließen sich die Vereinten Nationen auch in Johannesburg einfallen. Zum ersten Mal in der langen Geschichte der UN-Konferenzen entschädigten die Teilnehmerländer ihren Gastgeber Südafrika für die durch ihre Anreise und ihre Anwesenheit entstandene Umweltbelastung.

Das Ergebnis des Umweltgipfels, nach UN-Angaben des größten aller bisherigen Konferenzen, ließ allerdings viele Wünsche übrig. Die internationale Gemeinschaft konnte sich in Johannesburg trotz zehntägigen zähen Ringens nur auf ein Minimum konkreter Zusagen und Zeitpläne einigen. "Unsere politischen Führer gehen von Gipfel zu Gipfel, aber unsere Völker gehen von Abgrund zu Abgrund", äußerte Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez am Ende erbittert.

Annan stimmt ihm zu. "Wir sind zu langsam bei der Erfüllung unserer weit gesteckten Ziele", mahnte er vor der UN-Vollversammlung. "Wenn wir unser Tempo nicht dramatisch beschleunigen, werden wir 2015 herausfinden, dass die (Millenniums-) Erklärung nur ein hohles Versprechen war."

Dieser Erklärung zufolge muss unter anderem der Anteil der Menschheit in extremer Armut bis 2015 um die Hälfte abgebaut werden. Außerdem hat jedes Kind der Welt Anspruch auf die Hauptschulreife, und Mädchen auf den ihrer Zahl angemessenen Anteil an einer weiterführenden Schul- oder Hochschulausbildung. Darüber hinaus soll die Kindersterblichkeit um zwei Drittel sinken und die von Müttern im Wochenbett um drei Viertel.

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