Schlechte Stimmung
Deutscher Aktienmarkt ist orientierungslos

Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Mittwoch nach den Terroranschlägen in den USA Unsicherheit breit gemacht. "Es ist einfach zu viel Unsicherheit im Markt, und das macht ihn volatil bis zum geht nicht mehr", kommentierte ein Händler den wechselhaften Verlauf des Deutschen Aktienindex (Dax) bis zum Nachmittag.

rtr FRANKFURT. Das Börsenbarometer hatte sich am Morgen in einer Spanne zwischen 4159 und 4403 Zählern bewegt und präsentierte sich am Nachmittag knapp behauptet bei 4291 Punkten. Zu den größten Verlierern gehörten europaweit die Aktien von Fluglinien, wobei die Titel der Lufthansa zeitweise mehr als zehn Prozent einbüßten. Am Neuen Markt lag der Blue-Chip-Index Nemax50 0,6 % im Minus bei 832 Zählern.

Die Stimmung am Markt bleibe trotz der zeitweise freundlicheren Tendenz der Kurse weiter schlecht, hieß es. "Wir handeln hier in einer unsicheren Nachrichtenlage", sagte ein Börsianer und verwies auf die ungewisse weitere politische Entwicklung in den USA nach der beispiellosen Serie von Terroranschlägen am Dienstag.

Nach Angaben der US-Regulierungsbehörde für den Finanzmarkt bleiben die US-Börsen auch am Mittwoch geschlossen. "Die Lage war schon schlecht, aber jetzt kann sie eigentlich nur noch schlechter werden", sagte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust in Frankfurt. "Wir standen schon kurz vor einer Rezession in den USA, aber jetzt stürzen wir uns kopfüber rein", fügte er hinzu und verwies auf die Befürchtungen der Investoren, nach den Anschlägen würde eine Rezession immer wahrscheinlicher.

Lufthansa verliert deutlich

Zu den größten Verlierern im Dax gehörten die Aktien der Lufthansa. Die Titel verbuchten einen Abschlag von 5,3 % auf 12,31 ?. Lufthansa-Chef Jürgen hatte am Mittwochmittag in Frankfurt gesagt, die Anschläge von New York und Washington bedeuten nach für die gesamte Luftfahrtbranche deutliche Einschnitte. Die Lufthansa rechne mit einer teilweisen Wiedereröffnung des nordamerikanischen Luftraums für Mittwochnachmittag. "Wir hoffen nach der teilweisen Öffnung des Luftraums, dass sich der Flugverkehr normalisiert."

Händlern zufolge könnten die Terroranschläge das Geschäft in diesem Sektor erheblich beeinträchtigen. "Das ist doch ganz offensichtlich, dass nach einer solchen Katastrophe Transport- und Tourismuswerte verlieren", sagte ein Börsianer. Preussag-Aktien büßten 4,7 % ihres Werts ein.

Diesem Trend konnten sich allerdings die Aktien der Deutschen Post entziehen, die mit einem Kursanstieg um 5,3 % auf 14 ? die Gewinnerliste anführten. Händler führten die Bewegung auf eine technische Erholung nach den jüngsten Abschlägen zurück.

Die Aktien von Münchener Rück gewannen nach einem mehrheitlich schwachen Verlauf rund ein Prozent auf 233 ?, obwohl der Konzern zuvor mitgeteilt hatte, die Zahlungen im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA würden den Jahresüberschuss erheblich beeinträchtigen. Nicolai Schill, Analyst für Versicherungswertee bei der Baden Württembergischen Bank sagte: "Es ist noch zu früh um zu sagen, wie hoch die Belastungen letzlich ausfallen werden. Insgesamt stehe der Versicherungssektor unter Druck, "da die Unternehmen einen unmittelbaren Bezug zu der Katastrophe haben. Sie müssen zahlen." Den im Tagesverlauf deutlichen schwankenden Aktienkurs von Münchener Rück führte der Analyst auf die allgemeine Volatilität des Marktes zurück.Der Allianz-Kurs gab um 0,9 % auf 225 ? nach.

Perverse Reaktionen

Als "pervers" bezeichneten einige Börsianer die Tatsache, dass manche Werte im Kurs stiegen, da die betroffenen Branchen von der Katastrophe profitieren könnten. So notieren die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Plus von 3,2 % bei 14,97 ?, da der Telekomsektor durch die Terroranschläge in den USA Nutzen ziehen könne, sagte ein Fondsmanager mit Blick auf die Kurszuwächse. Investoren vermuteten, die Menschen telefonierten nun aus Angst vor dem Fliegen verstärkt und nutzen auch Datennetzwerke mehr.

Die Tatsache, dass der Handel am deutschen Markt fortgeführt werde, stieß bei den Händlern auf Unmut. "Ich halte es für falsch, dass der Handel am deutschen Markt heute weiter geht", sagte ein Börsianer. "Als Anleger kannst Du in einer so unscheren Lage nur verlieren", fügte ein anderer Börsianer hinzu. "Es wäre besser gewesen, den Markt ein, zwei Tage zu schließen und den Handel in Ruhe wieder aufzunehmen."


Experten warnen vor panikartigen Aktienverkäufen

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