Schlechte Stimmung
DG Bank-Chefvolkswirt: Euro noch nicht im Tal

Der Wert des Euro könne noch bis 0,80 $ sinken, meint die DG Bank.

dpa FRANKFURT/MAIN. "Ich denke, die Marke von 0,80 $ ist noch drin. Die könnten wir in den kommenden Wochen sehen", sagte ihr Chefvolkswirt Michael Heise am Samstag in Frankfurt. "Die Stimmung gegen den Euro ist einfach schlecht. Das wird sich auch in den nächsten Monaten nicht ändern", urteilte der Ökonom. Die Schwäche der Gemeinschaftswährung dürfe jedoch "keinesfalls" dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, angelastet werden. Die Kritik an ihm in den vergangenen Tagen wegen seiner Äußerungen zur Interventionspolitik der EZB sei maßlos übertrieben gewesen, betonte Heise.

"Duisenbergs Worte werden derzeit extrem auf die Goldwaage gelegt. Sicher war es nicht geschickt, über mögliche Interventionen der EZB zu sprechen. Die Gründe für die Schwäche des Euro liegen aber ganz woanders", sagte der Chefökonom des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken. Entscheidend sei, dass die Konjunktur in den USA nach wie vor unter Dampf stehe und Euroland bei den Wachstumsraten noch nicht mithalte. Zudem habe die Krise im Nahen Osten sowie der Ölpreisschock die Stimmung gegen den Euro weiter verschlechtert.

Die EZB stehe als öffentliche Stellvertreterin des einzigartigen europäischen Währungsprojektes unter Druck wie keine andere Notenbank je zuvor. "Die Glaubwürdigkeit der gesamten Währungsunion wird ja inzwischen in Frage gestellt", monierte Heise. Er rechnet fest damit, dass die EZB bald wieder auf den Devisenmärkten zu Gunsten des Euro tätig wird, wenngleich solche Eingriffe eher "wenig bringen".

Aber auch ohne die Hilfe der EZB sehe der Euro besseren Zeiten entgegen. Spätestens 2001 näherten sich die Wachstumsraten der elf Euroländer denen der USA weiter an. Wenn der Ölpreis den Rückzug antrete und ernste politische Krisen wie jüngst in Israel ausblieben, könne im kommenden Jahr die Parität zur amerikanischen Währung erreicht werden.

"Wir werden in Europa 2001 einen deutlichen Anstieg beim Konsum haben. Das wird eine entscheidende Antriebsfeder für den Aufschwung", prognostizierte Heise. Außerdem dürften die Direktinvestitionen weiter zulegen. "Dies schafft dann das nötige Vertrauen." Allerdings müsse auch die Politik ihren Beitrag leisten, um die Gemeinschaftswährung zu stabilisieren. Die Geldpolitik der EZB allein reiche dafür nicht. Nur gemeinsame Reformen in der Euro-Zone sicherten einen dauerhaften Erfolg der kontinentalen Einheitswährung.

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