Schlechte Stimmung im Osten
Stolpe will für Schröders Wahlkampf durch den Osten tingeln

Nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident von Brandenburg will Manfred Stolpe dafür kämpfen, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) im Osten siegt.

afp POTSDAM. Dabei war in Potsdam lange spekuliert worden, Schröder werde Stolpes Kronprinz Matthias Platzeck als Ost-Experten rufen. Der wird jetzt Ministerpräsident. Für SPD-Generalsekretär Franz Müntefering ist die Sache klar: Wer wissen will, was der Osten braucht, darf nicht Unions-Urgestein Lothar Späth um Rat ersuchen, sondern "muss Stolpe fragen".

Kein Zweifel: Landesvater Stolpe weiß, wie die Menschen in den neuen Ländern ticken. Er weiß auch: "Die Stimmung ist nicht gut." Vielen komme der Fortschritt "wie eine Schnecke" vor. Nach zwölf Jahren des Umbruchs seien die Menschen "genervt". Auch er habe zunächst den Worten von Kanzler Helmut Kohl (CDU) Glauben geschenkt, der "blühende Landschaften" versprach. Jetzt sei schmerzlich klar, dass der Osten noch zehn Jahre brauche, um Abschluss an den Westen zu finden. "Aber die Richtung stimmt", stellt Stolpe fest.

Das jedoch ist die Frage: Stolpes wirtschaftspolitische Bilanz hat gerade in den letzten Wochen üble Kratzer bekommen. Erst stürzt der Luftschiffbauer CargoLifter in die Insolvenz, dann fliegt der Lausitzring aus der Kurve. Stolpe hatte Steuergelder in dreistelliger Millionenhöhe für die "Leuchttürme" ausgegeben - ohne Erfolg. Auch mit dem für die Wirtschaft der Region wohl wichtigsten Projekt, dem Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI), kommt Stolpe nicht zu Potte. CDU-Chef Jörg Schönbohm spricht denn auch davon, dass Stolpe nicht nur Pluspunkte gesammelt hat. Allerdings: All zu rüde kann er den SPD-Mann dafür nicht rügen, ist doch Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß ein Christdemokrat.

Angst vor Angriffen Stolpes im Wahlkampf muss Fürniß seinerseits wohl nicht fürchten. Stolpes Gegner heißen Lothar Späth und Edmund Stoiber. Der eine ist Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, noch-Chef von Jenoptik und im Falle eines Wahlsieges der Union als Superminister für Wirtschaft, Arbeit und den Aufbau Ost fest gebucht, der andere ist für viele der Bayer schlechthin. Späth schaue zu sehr auf Hightech und die Speckgürtel und vergesse die Randregionen, rüffelt Stolpe. Ostdeutschland dürfe nicht ein "Übungsfeld" für Politiker werden, "die uns nicht verstehen", kehrt der Brandenburger seine Ost-Seele gegen Stoibers bajuwarische Verwurzelung heraus.

Schröder dagegen habe seine "Lehrzeit" hinter sich, findet Stolpe. "Der Junge kann das." Mit dem Kanzler werde Stolpe "zwischen Rostock, Gera und Suhl unterwegs sein" und Wahlkampf machen. Damit gehe für seinen Ziehvater ein Wunsch in Erfüllung, sagt Platzeck.

Der Stabwechsel in Potsdam stärke auch die Bundes-SPD, meint Müntefering. Stolpe, der wiederholt mit Schröder wegen unterschiedlicher Meinungen zusammengerasselt ist, habe jetzt mehr Zeit, Wahlkämpfer für den SPD-Boss zu sein und auf Bundesebene "mitzumischen".

Auch nach der Bundestagswahl ist für Arbeit im Hause Stolpe gesorgt. Der 66-jährige Polit-Profi will sich stärker um das Forum Ost kümmern, dem er vorsteht. Auch sein Landtagsmandat für den Wahlkreis Cottbus II in der Lausitz behält Stolpe. Allerdings versprach Stolpe, er wolle zwar gerne mit Rat helfen, aber "nicht lästig werden".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%