Schlechte Stimmung in den US-Unternehmen
Greenspan muss besorgten Anlegern Vertrauen einflößen

US-Notenbankchef Alan Greenspan steht in dieser Woche vor einer schwierigen Aufgabe: Er muss die besorgten Investoren auf der ganzen Welt davon überzeugen, dass sich die US-Wirtschaft weiter auf ihrem Erholungspfad befindet.

Reuters WASHINGTON. Doch der einflussreichste Notenbanker der Welt wird sich nach Einschätzung von Analysten bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses am Donnerstag ab 16.00 Uhr MESZ nicht als unverbesserlicher Konjunkturoptimist präsentieren. Um seine Glaubwürdigkeit zu untermauern, werde er die Märkte vielmehr zugleich auf weiter bestehende Risiken wie die angespannte Lage am Arbeitsmarkt hinweisen.

Fast zeitgleich zu Greenspans Anhörung hält US-Präsident George W. Bush seine ebenfalls mit Spannung erwartete Rede vor der UNO-Vollversammlung zur Irak-Politik seiner Regierung. Bush wird sich dabei Experten zufolge in deutlichen Worten für einen Militärangriff gegen Irak zur Entmachtung von Präsident Saddam Hussein aussprechen und damit die Kriegssorgen an den Finanzmärkten weiter verstärken. Doch Analysten gehen nicht davon aus, dass die Rede des Staats-Chefs die Worte des Fed-Chefs in den Hintergrund drängen wird.

"Nach meinem Gefühl wird Greenspan versuchen, das Vertrauen an den Märkten in die Wirtschaft wieder herzustellen", sagt Anthony Chan, Chefvolkswirt bei Banc One Investment Advisors in Columbus. Bereits bei seiner letzten Anhörung vor dem Kongress im Juli hatte der Notenbank-Präsident die besorgten Investoren zu beruhigen versucht und den langfristigen Ausblick der US-Wirtschaft als eindrucksvoll bezeichnet. Seither haben aber neue Bilanzsorgen und einige überraschend schwache Konjunkturdaten einer nachhaltigen Kurserholung an den Finanzmärkten entgegengestanden.

Stimmung bei US-Unternehmen ist weiter schlecht

Vor allem die Stimmung der Unternehmer in den USA hat sich seit der Rezession des vergangenen Jahres kaum aufgehellt. Die Firmenchefs halten sich noch immer mit Investitionen zurück und stellen zudem kaum neue Mitarbeiter ein. Die Arbeitslosenquote liegt mit zuletzt 5,7 Prozent noch immer nahe dem höchsten Stand der letzten Jahre und die Zahl der pro Monat neu geschaffenen Stellen weiter deutlich unter 150.000. Erst ab dieser Marke erwarten Analysten einen spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit.

"Die Konjunkturerholung ist noch immer gefährdet", sagt David Wyss, Chefvolkswirt von Standard & Poor's in New York. Mit einer neuerlichen Rezession rechne er aber nicht. Im zweiten Quartal war die weltgrößte Volkswirtschaft um annualisiert 1,1 Prozent gewachsen nach 5,0 Prozent im ersten Vierteljahr. Mark Zandi, Volkswirt bei Economy.Com, sagt: "Die Konjunktur wird sich bis zum Jahresende wohl nur zaghaft erholen und echtes Beschäftigungs-Wachstum wird frühestens 2003 erkennbar werden."

Aus den vorsichtig optimistischen Äußerungen Greenspans wird nach Einschätzung der Analysten abzulesen sein, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr wohl nicht mehr ändern wird. Ähnliche Signale hatten zuletzt auch andere US-Notenbanker gegeben, so dass die meisten Experten mittlerweile bis zum Jahresende mit einem unveränderten Leitzinsniveau von 1,75 Prozent rechnen. "Alles in allem wird Greenspan den Märkten zwei Punkte deutlich machen: Die Erholung ist im Gange, aber die Wirtschaft wächst nicht so stark wie ursprünglich erwartet", sagt Sung Won Sohn, Chefvolkswirt von Wells Fargo in Minneapolis.

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