Schlechte Studie als Ansporn
Behler will das gesamte Bildungssystem hinterfragen

Nach dem miserablen Abschneiden deutscher Schüler beim internationalen Schultest „Pisa“ hat Nordrhein- Westfalens Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) umfangreiche Untersuchungen angekündigt.

dpa DüSSELDORF. Es gebe nicht nur eine, sondern viele Ursachen für das schlechte Ergebnis, sagte sie am Sonntag in einem Gespräch: "Deshalb dürfen wir uns nicht scheuen, alles auf den Prüfstand zu stellen - vom Kindergarten bis zur Oberstufe, von der Lehrerbildung bis zur Qualität des Unterrichts."

Vor allem die Tatsache, dass bei einem großen Teil sozial benachteiligter Schüler die Lesekompetenz so gering ausgeprägt ist, sei beunruhigen. Gut jeder fünfte deutsche Schüler (22,6 %) erreicht bei der Lesekompetenz nur die niedrigste Leistungsstufe. Eine Lehrlings-Einstellungsprüfung, wie bei den Industrie- und Handelskammern heute üblich, würden diese Schüler nicht bestehen. "Damit ist die Basis für den Lernerfolg in allen Bereichen gefährdet. Hier zeigt uns "Pisa", dass wir auch unsere Anstrengungen zur Integration von Zuwanderern verstärken müssen", sagte Behler.

"Es handelt sich in der Tat um sehr schlechte Ergebnisse für Deutschland", sagte Behler. Standardantworten und Rechthaberei der jeweiligen bildungspolitischen Richtungen seien nun jedoch fehl am Platz. "Ich kann nur davor warnen, alte bildungspolitische Rituale wiederzubeleben", sagte die Ministerin. "Pisa" habe die Probleme bestätigt und weitere Defizitbereich aufgezeigt. Nun sei es nötig, die Studie sorgsam zu analysieren.

"Ohne die Ergebnisse beschönigen zu wollen, in einem Punkt bin ich mir sicher: "Pisa" ist kein Anlass für Depression", sagte Behler. Die Studie sei vielmehr Ansporn für eine gemeinsame Anstrengung aller an der Bildung der Kinder Beteiligten. "Von dieser Bereitschaft wird es abhängen, ob wir die richtigen Konsequenzen aus Pisa für das deutsche Bildungssystem ziehen werden", sagte Behler.

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