Schlechte Zahlen bei Siemens, Infineon und Epcos erwartet
Kein Ende der Talfahrt in der High-Tech-Branche in Sicht

Den Technologie-Unternehmen stehen schwere Monate bevor: Die meisten Analysten und die Unternehmen rechnen erst im Laufe des Jahres 2002 mit einer Erholung. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die High-Tech-Branche wird nicht von der weltweiten Konjunkturbelebung profitieren, die Experten für das Ende dieses Jahres voraussagen. Das geht aus einer Handelsblatt-Umfrage bei Volkswirten und Analysten hervor. Gestützt wird die Einschätzung durch zahlreiche Gewinnwarnungen sowie pessimistische Ausblicke der High-Tech-Unternehmen.

"Wir sehen definitiv keine Kehrtwende in diesem Jahr", meint Sam Stovall von der Ratingagentur Standard & Poor?s zu den Aussichten der Technologiebranche. Die Investmentbank Salomon Smith Barney rechnet damit, dass die Ergebnisse der High-Tech-Unternehmen im dritten Quartal um 60 % gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal zurückgehen. Mit einer Wende könne man erst im nächsten Jahr rechnen, meint Chefökonom Steven Wieting. Er geht davon aus, dass der Gewinn im Jahr 2002 um 12 % wächst.

Chipindustrie wird zuerst profitieren

Auch David Sowerby vom Investmenthaus Loomis, Sayles & Co glaubt nicht, dass sich die Tech-Wirtschaft vor dem zweiten Quartal 2002 erholt. Barry Bosworth vom Brookings-Institut in Washington spricht von einem Aufschwung in frühestens 18 bis 24 Monaten. Nach Meinung vieler Investmenthäuser wird zuerst die Chipindustrie profitieren, erst später kommen auch Endabnehmer, etwa aus der Telekommunikationsbranche, hinzu. "Die Telekom-Dienstleister haben ihre Investitionen für 2002 noch stärker zurückgefahren als in diesem Jahr", so Chefökonom Wieting.

Hohe Lagerbestände, Abschreibungen und eine geringe Nachfrage belasten die Unternehmensbilanzen bereits jetzt. So wurde bei Microsoft das Ergebnis durch Abschreibungen aus Investments bei Kabelfernseh- und Telekommunikationsfirmen um 2,6 Mrd. $ gedrückt. Bei Telekomausrüstern, Halbleiter- und Computerherstellern fielen die Aufträge laut Wieting um 45 % und damit auf das Niveau von 1997.

Zurückhaltener Blick in die Zukunft

Auch die Unternehmen selbst blicken zurückhaltend in die Zukunft. So präsentierte zuletzt Microsoft Ende vergangener Woche eine Gewinnwarnung für das laufende Quartal. "Ich weiß, dass es ein Ende der Konjunkturflaute geben wird. Ich weiß nur noch nicht, wann", meint Joe Tucci, Vorstandschef des Datenspeicherkonzerns EMC. Auch die Quartalsberichte, die in dieser Woche veröffentlicht werden, werden voraussichtlich nichts an der Tendenz ändern. Am Dienstag präsentiert der weltgrößte Telekom-Ausrüster Lucent seine Zahlen. "Die Unternehmen werden weiter niedrigere Gewinne vorlegen, Lucent und Amazon sogar Verluste", meint Stovall. Auch in Europa signalisieren Prognosen, dass die Krise länger dauert als angenommen. Schlechte Zahlen erwarten Analysten bei Infineon, Siemens und Epcos.

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