Schlechte Zahlen belasten noch lange
Experten bezeichnen Kursrückgänge als gesund

Negative Prognosen der Technologiekonzerne Philips und Cisco haben den Aufschwung an den Börsen vorerst gestoppt. Händler und Analysten bezeichnen die jüngsten Kursrückgänge als „notwendig“ im Rahmen einer „gesunden Korrektur“.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Negative Prognosen der Technologiekonzerne Philips und Cisco haben den Aufschwung an den Börsen vorerst gestoppt. Händler und Analysten bezeichnen die jüngsten Kursrückgänge als "notwendig" im Rahmen einer "gesunden Korrektur". Viele Strategen warnen vor der Hoffnung, dass nun bereits das Schlimmste vorüber sei. Noch mehrere Quartale dürften schlechte Ergebnisse das Marktgeschehen beherrschen und immer wieder zu Rückschläge an den Börsen führen.

"So ein Tag wie Dienstag brauchten wir dringend. Die Korrektur regt mich überhaupt nicht auf", meint Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. Nach einem 10 %igen Plus im Deutschen Aktienindex (Dax) sei ein Verlust von 2 % "völlig okay - alles andere wäre ungesund". Wie viele ihrer Kollegen erwartet die Aktienmarktstrategin in der nächsten Zeit eine "Schaukelbörse". Diese werde dadurch geprägt sein, dass immer wieder Unternehmen mit schlechten Nachrichten überraschten.

Wichtig sei nun, dass die bisherigen Tiefstände in den wichtigen Indizes wie Dow Jones, Dax und Neuer Markt nicht mehr unterschritten würden. Zur Orientierung: Sowohl bei den Standardwerten als auch bei den High-Tech-Titeln gibt es auf dem möglichen Weg nach unten noch gut 10 % "Luft". "Charttechnisch erleben wir nach den kräftigen Gewinnen eine normale Gegenreaktion", meint Frederik Altmann von Hornblower Fischer. Für den Neuen Markt sehe es technisch etwas günstiger aus als für die Blue Chips im Dax. Für beide Indizes prognostiziert Altmann eine Seitwärtsbewegung.

Indikatoren für Unternehmensgewinne weisen nach unten

Auch Richard Bernstein von Merrill Lynch erwartet auf Sicht eines Jahres, dass sich die Kurse "bestenfalls seitwärts" bewegen. Weitere kräftige Zinssenkungen durch die Zentralbank würden allenfalls kurzfristig helfen: "Neue Zinsschritte beleben vor allem die abklingende Spekulationswelle, das ist schnell verpufft." Gegenwärtig hätten preisgünstige, wertorientierte Aktienanlagen deutlich bessere Kurschancen als Wachstumswerte, glaubt Bernstein. Merrill-Lynch-Kollegin Kari Bayer gibt zu Bedenken: "Die Mehrzahl unserer Frühindikatoren für die Entwicklung der Unternehmensgewinne weist noch nach unten." In der Vergangenheit hätten Phasen schrumpfender Unternehmensgewinne mindestens sechs Monate gedauert. "Wir haben davon erst drei hinter uns." Damit dürften enttäuschende Unternehmensergebnisse noch über mehrere Quartale das Marktgeschehen bestimmen.

Auch der unabhängige Investment-Stratege Gary Shilling glaubt nicht an eine rasche Kurs-Erholung. Rein technisch gesehen sei der Boom der vergangenen Jahre so übertrieben gewesen, dass die Kursentwicklung wahrscheinlich zum niedrigeren, langjährigen Durchschnitt zurück tendieren werde. Außerdem hält Shilling es für möglich, dass Konsumenten nach dem Schock der vergangenen Monate wieder mehr sparen und weniger Geld ausgeben. Dies könne zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen.

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