Schlechte Zusammenarbeit mit BA-Chef
Personalräte der Bundesanstalt greifen Gerster an

Zehn Tage nach der Präsentation des Hartz-Konzepts drohen in der Arbeitsmarkt-Debatte alte und neue Gegensätze aufzubrechen. Die Gewerkschaft Verdi will den Freiraum für private Zeitarbeitsfirmen limitieren. Die Personalräte der Bundesanstalt für Arbeit bekunden starkes Misstrauen gegenüber ihrem Chef Florian Gerster.

dc/dri DÜSSELDORF/BERLIN. Was bisher von der harmonischen Fassade der Hartz-Kommission verdeckt war, tritt nun bereits deutlicher zu Tage, als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) lieb sein kann: Bei den Vorbereitungen zur Umsetzung der Reformvorschläge an die Arbeitsverwaltung tun sich unter den Beteiligten erhebliche Gegensätze auf. Überdies gibt es in der Bundesanstalt für Arbeit (BA) heftige Reibereien um die Arbeit ihres neuen Chefs Florian Gerster. Das wurde gestern bei einer Sitzung von 200 Personalräten, den Vertretern der insgesamt 90 000 BA-Mitarbeiter, in Nürnberg deutlich.

Hauptpersonalrats-Chef Eberhard Einsiedler, der sich seit der Präsentation der Hartz-Pläne am 16. August mit öffentlichen Kommentaren zurückgehalten hatte, wurde gestern umso deutlicher: Die Zusammenarbeit mit Gerster sei "äußerst verbesserungswürdig", sagte Einsiedler vor Journalisten. Der Personalrat werde über dessen Pläne bisher schlecht informiert. "Ich kann dem Vorstand nur raten, uns mit an Bord zu nehmen." Falls Gerster meine, die Reformen alleine zu schaffen, werde er scheitern, drohte Einsiedler.

Auch Isolde Kunkel-Weber, Mitglied der Hartz-Kommission und des Verdi-Bundesvorstands, machte ihren Unmut über das Auftreten Gersters gegenüber den Beschäftigten deutlich und mahnte eine bessere Kommunikation an. "Erst haben die Kollegen einen Präsidenten mit hoher Reputation verloren - und dann sagt ihnen der Neue, wir räumen erst mal mit der Hälfte des Personals auf." Auf dieser Grundlage würden sich die BA-Mitarbeiter kaum für Reformen gewinnen lassen. "Aber", so Kunkel-Weber, "es ist noch nichts verloren - falls der Vorstand die Beschäftigten jetzt aktiv beteiligt."

Auch die Gewerkschafterin hatte vor den Personalräten freilich keinen leichten Auftritt nach ihrer Mitarbeit in der Hartz-Kommission: "Ich räume ein, dass es für mich keine einfache Veranstaltung war" Immerhin enthalte der Bericht einige Punkte, die für Verdi kritisch seien. "Ich glaube aber, weiter das Vertrauen der Beschäftigten zu haben", sagte sie dem Handelsblatt.

Ein kritischer Punkt für Verdi ist unter anderem die geplante Einbeziehung privater Zeitarbeitsfirmen in die Arbeit der neuen Personal-Service-Agenturen, die den 181 Arbeitsämtern angegliedert werden sollen. "Die Beschäftigten befürchten, dass dies der Anfang vom Ende der öffentlichen Arbeitsvermittlung ist", so Kunkel-Weber. Um eine Privatisierung der Vermittlung "durch die Hintertür" zu verhindern, müsse die Bundesanstalt die PSA zentral kontrollieren und Qualitätsstandards für deren Betreiber festlegen. "Wir waren uns in der Kommission einig, dass es dazu eine Holding der BA braucht, auch wenn das so deutlich nicht im Hartz-Bericht steht", betonte Kunkel-Weber. Auf Drängen der privaten Zeitarbeitsbranche und mit Unterstützung durch BA-Chef Gerster hatte die Hartz-Kommission empfohlen, die PSA für private Zeitarbeitsfirmen zu öffnen. Letztere fürchten umgekehrt, dass die Arbeitsverwaltung als Betreiber von Zeitarbeitsagenturen private Anbieter vom Markt drängen könnte.

Werner Stolz, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), reagierte gestern deutlich enttäuscht. Nachdem der Hartz-Bericht vorliege, gehe es den Gewerkschaftern offensichtlich darum, nun "die Daumenschrauben anzuziehen", so Stolz zum Handelsblatt. "Eine Holdingstruktur, die zu Lasten der Privaten geht, lehnen wir klar ab."

Kunkel-Weber begründet ihre Position damit, dass die Agenturen der Arbeitsämter nicht dem Geschäftsmodell "traditioneller Zeitarbeitsfirmen" folgen könnten. Diese würden sich "immer an olympiareifen Arbeitslosen orientieren, die sie möglichst oft verleihen wollen". Das könne nicht Aufgabe der PSA sein, sofern diese auch Langzeitarbeitslose möglichst rasch wieder in den ersten Arbeitsmarkt bringen sollten. Offen zeigte sie sich dagegen für Verhandlungen über ein stärker leistungsorientiertes Tarifrecht für die Beschäftigten der Bundesanstalt. Sie könne sich zwar kaum "Kopfprämien" vorstellen, die den einzelnen Vermittler für jeden einzelnen Vermittlungserfolg honorieren: "Dann hätte der Kollege im Osten kaum Chancen auf eine Prämie, während der in Stuttgart ein nach er anderen kassiert." Aber über die Details werde Verdi gerne verhandeln.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%