Schlechtes Marktumfeld erhöht Druck auf Direct-Broker in Europa
Onlinebroker stehen vor Ausleseprozess

Die Online-Broker geraten wegen des trüben Marktumfeldes und der schlechten Ergebnisse im zweiten Quartal zunehmend unter Druck. Experten rechnen damit, dass die Konsolidierung noch im Laufe des Jahres abgeschlossen ist. Allerdings muss nicht immer der ganze Betrieb übernommen werden, interessant sind vor allem die Kunden.

FRANKFURT/M. Die Marktbereinigung bei Onlinebrokern ist in vollem Gange. Nach dem herausragenden Jahr 2000, als die Anbieter die Nachfrage kaum noch befriedigen konnten, ist das Zähneknirschen gegenwärtig groß. Das schlechte Marktumfeld hat den Unternehmen das Ergebnis in den ersten beiden Quartalen gründlich verhagelt. Sinkende Transaktionszahlen lasten auf den Erträgen und große IT- und Personalapparate treiben die Kosten in die Höhe. Da die Kosten den veränderten Marktbedingungen nicht so rasch angepasst werden können wie die Erträge sinken, werden vor allem zusätzliche Ertragspotenziale gesucht. Der Einstieg von Consors in das Beratungsgeschäft ist ein Beispiel. Ziel ist es bei all diesen Massnahmen, die Abhängigkeit des Geschäfts vom Börsenumfeld zu verringern.

Andere Möglichkeiten liegen in Zusammenschlüssen, um mehr Größe zu erlangen. "Das Größenspiel hat einen Riesenreiz", räumt Consors-Chef Karl-Matthäus Schmidt ein. Dadurch können über schnelles Volumenwachstum die Fixkosten gesenkt werden. Auch der Chef der DAB Bank, Matthias Kröner, erwartet, dass das zweite Quartal die Konsolidierung in Europa beschleunigen werde. In seinen Augen wackelt sogar die weitverbreitete Annahme, dass 5 bis 6 große Online-Broker sich den Markt in Europa teilen werden.

Experten rechnen damit, dass die Konsolidierung bis Jahresende weitestgehend abgeschlossen ist. "Ich erwarte, dass sich im laufenden Jahr noch einiges tut", sagt zum Beispiel Unternehmensberater Hans-Paul Bürkner von der Boston Consulting Group. Consors-Chef Schmidt sieht ebenfalls wachsenden Konsolidierungsdruck, allerdings weniger in Deutschland als vielmehr im europäischen Ausland. Allein in Frankreich gebe es noch über 50 Broker, so Schmidt. Diesen Prozess betrachte Consors sehr aufmerksam, wobei der Vorstandschef Zukäufe in Ländern, wo Consors schon präsent ist, ausschloss. Hier seien nur Abkommen zur Übernahme von Kunden denkbar. Kröner will im europäischen Konsolidierungsprozess eine aktive Rolle spielen, kündigte er an. Mit der Akquisition des französischen Online-Brokers Selftrade im vergangenen Jahr hat die DAB bereits ein gute Ausgangsposition auf den europäischen Kernmärkten Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Deutscher Markt ist weitestgehend ausgereizt

Allerdings sagt der DAB-Chef: "Wer sich im künftigen Wettbewerb behaupten will, muss auf seinem Heimatmarkt die Nummer eins sein. Und das mit einem ordentlichen Abstand zur Nummer zwei." Am deutschen Markt bieten sich jedoch nur noch wenige Konsolidierungsmöglichkeiten. Die drei großen Online-Broker Comdirect, Consors und DAB dominieren den Markt. Konkurrenten wie der Sparkassenbroker Pulsiv oder maxblue von der Deutschen Bank stecken noch in den Kinderschuhen. Kleinere Anbieter wie Systracom sind vom Markt verschwunden.

Aufgrund dieser oligopolistischen Strukturen ist es auch für ausländische Anbieter sehr schwierig, sich auf dem deutschen Markt zu behaupten. Anbieter wie Fimatex oder EQ Online haben sich weitestgehend zurückgezogen oder das Geschäft auf ein Minimum reduziert.

Mangel an klaren Strategien

Analysten von der BHF-Bank haben nun Marktgerüchte aufgegriffen und rechnen ihrer neuesten Studie zufolge damit, dass die DAB Bank und die Comdirect angesichts der defizitären Lage von den Müttern Commerzbank und Hypo-Vereinsbank enger in den Konzernvertrieb eingebunden werden. Dies dürfte jedoch eher für Comdirect als für die DAB zutreffen. Die Direct-Brokerage-Tochter der Commerzbank stellt mit ihren mehr als 600 000 zwar ein reizvolles Übernahmeobjekt dar, wirkt aber seit geraumer Zeit nach außen konzeptlos. Es fehlen klare Strategien, wie die schwierige Marktlage überstanden werden soll. Zudem wirft Fragen auf, warum sich Comdirect kurzfristig dazu entschlossen hat, keine vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal mehr zu veröffentlichen.

Äußerungen aus der Hypo-Vereinsbank deuten dagegen darauf hin, dass von einer Eingliederung der DAB keine Rede ist, auch wenn man mit der Ergebnisentwicklung alles andere als zufrieden ist. Consors-Chef Schmidt ist einer Konsolidierung nicht abgeneigt, sieht aber Perspektiven für den Weg alleine: "Wir rechnen damit, im nächsten Jahr wieder eine schwarze Null zu schreiben", sagte er.

Allerdings fehlt sowohl Comdirect, als auch Consors und der DAB die kritische Masse, um Schwächeperioden einfach auszusitzen. Großes Vorbild ist hier nach wie der amerikansiche Online-Broker Charles Schwab, der es verstanden hat, neben dem Internetgeschäft auch den stationären Vertrieb zu etablieren.

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