Schlechtes Zeugnis für Wahrsager
Vorhersagen der Hellseher "wie Seifenblasen" zerplatzt

Wissenschaftler haben Hellsehern und Wahrsagern auch in diesem Jahr schlechte Zeugnisse ausgestellt. Die Prophezeiungen seien größtenteils "wie Seifenblasen" zerplatzt, kritisierte das Forum Parawissenschaften e.V. am Donnerstag in Sandhausen bei Heidelberg.

dpa SANDHAUSEN. So habe kein Experte den Krieg in Afghanistan oder die Anschläge des 11. September vorhergesehen. Die Hellseherin Karin Nagel habe sogar prophezeit, die Welt trete 2001 "in eine Zeit des Friedens ein".

Vorhergesagte Unglücke wie ein für den 7. September erwartetes Erdbeben in Rumänien traten den Experten zufolge hingegen nicht ein. "Das Beispiel zeigt, dass selbst bei zutreffenden unheilvollen Ahnungen konkrete Ereignisprognosen nicht zuverlässig möglich sind", bilanzierte der Geschäftsführer des Forums, der Soziologe Edgar Wunder. Es sei deshalb "unseriös", solche Fähigkeiten vorzugeben.

Wunder hatte bereits in den 90er Jahren Prognosen von 200 Sehern geprüft und dabei entdeckt, dass nur vier Prozent der vorhergesagten Ereignisse eingetreten waren. Und auch dabei habe es sich vermutlich nur um Zufallstreffer gehandelt, sagte er. Das etwa 100 Mitglieder zählende Forum Parawissenschaften ist mit wissenschaftlichen Methoden dem vermeintlich Übersinnlichen auf der Spur. Derzeit ist geplant, die Aussagekraft individuell erstellter Horoskope zu testen. Dafür würden noch Versuchspersonen gesucht, sagte Wunder.

Schlechte Karten hatten auch jene Hellseher und Wahrsager, die vor zwölf Monaten noch einen Wirtschaftsaufschwung erwartet hatten. So hatte der Münchner Astrologe Winfried Noe nach Wunders Worten für 2001 "eine uneingeschränkt positive Wirtschaftsentwicklung, ein wirtschaftlich glänzendes Jahr" angekündigt, und der Sterndeuter Alexander Kopitkow habe sinkende Arbeitslosenzahlen prophezeit. Tatsächlich hatte jedoch eine Wirtschaftsflaute eingesetzt.

Wunder warnte jedoch davor, Versuche mit dem Übersinnlichen pauschal zu verurteilen. In kontrollierten Laborexperimenten, bei denen die Augenzahl eines fallenden Würfels vorhergesagt werden sollte, hätten sich "durchaus Ernst zunehmende Indizien" gezeigt, die auf die menschliche Fähigkeit hindeuten könnten, in die Zukunft zu sehen. Von dort bis zu den oft Sensation heischenden Prophezeiungen vieler Hellseher sei es jedoch ein weiter Weg. "Was hier Not tut, ist weder naive Leichtgläubigkeit noch leichtfertiger Spott, sondern genauso nüchterne wie systematische Untersuchung."

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