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Schleichwirbt auch das ZDF?

Es kann ein Zufall sein. Aber merkwürdig ist es schon, wenn in einem ZDF-Film Produkte eines einzelnen Verlags mehrmals ins Bild gehalten werden, so wie am vergangenen Montag in "Die Nachrichten".

Es kann ein Zufall sein. Aber merkwürdig ist es schon, wenn in einem ZDF-Film Produkte eines einzelnen Verlags mehrmals ins Bild gehalten werden, so wie am vergangenen Montag in "Die Nachrichten".

Eigentlich müsste man über den TV-Film "Die Nachrichten" nicht weiter reden, der am vergangenen Montag im ZDF zu sehen war. Die Verfilmung des Roman von Alexander Osang (den ich für den vielleicht stilistisch besten Journalisten Deutschlands halte) war nicht gut, nicht schlecht, ganz nett eben.

Er handelt von einem Nachrichtensprecher aus Ostdeutschland, der in den Verdacht gerät, Stasi-IM gewesen zu sein. Ein Lokaljournalist und eine "Spiegel"-Frau gehen der Geschichte nach, am Ende verhindert die moralisch erweichte Spiegelanerin eine Veröffentlichung.

Bemerkenswert aber war, was von den Hauptfiguren so gelesen wurde. Der "Spiegel" natürlich (inklusive einer Redaktionskonferenz, die aussah wie ein "Focus"-Werbespot). Dann kauft sich die Hauptfigur ein neues Bild, elegant streicht die Kamera über seinen Tisch, darauf: "Schöner Wohnen".
Der Lokaljournalist will tanken, entdeckt im Shop der Tankstelle aber die "Spiegel"-Konkurrentin und gibt Gas. Was die Nachrichtenmagazinerin in dem Laden tat? Den "Stern" lesen.
Der Lokaljournalist blättert an einem Zeitungsstand herum. Gut im Bild: "Geo".

Verlagskundige Leser werden aufhorchen. Denn "Spiegel", "Schöner Wohnen", "Stern" und "Geo" sind alle mit einem Haus verbunden: Gruner + Jahr.

Gegenüber meinem Kollegen Hans-Peter Siebenhaar hat die Chefin der Produktionsgesellschaft Network Media, die "Die Nachrichten" auf die Beine stellt, jeden Verdacht von Schleichwerbung von sich gewiesen. Wäre auch nicht gut, denn das ZDF hat sich nach dem ARD-Skandal puristische Sauberkeit auf die Fahnen geschrieben.

Und so bleibt es einfach merkwürdig, warum Hauptdarsteller Jan-Josef Liefers nicht ein einziges Mal "Architektural Digest", "Focus" oder den "Kicker" aufschlug.

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