Schleppender Europastart
Preissenkung soll Microsofts X-Box retten

Microsofts hochfliegende Pläne im Milliardenmarkt für Spielekonsolen geraten ins Wanken. Die am 14. März in Europa auf den Markt gebrachte X-Box verkauft sich nur schleppend. Deswegen senkt der US-Computerkonzern den empfohlenen Verkaufspreis für die Spielekonsole in 16 europäischen Ländern vom 26. April an drastisch von 479 auf 299 Euro. Das bestätigte Hans Stettmeier, Deutschlandchef von Microsofts X-Box-Division, auf Anfrage.

DÜSSELDORF. "Die Leute sind interessiert", räumt Stettmeier ein, "aber dann heißt es immer, der Preis, der Preis." Künftig liegt die X-Box, die technisch als führende Konsole gilt, beim Preis gleichauf mit der Playstation 2 (PS 2) des mächtigen Konkurrenten Sony.

Der Konsolenmarkt gilt als wachstumsstark. Sony und Microsoft wollen High-Tech-Konsolen zu zentralen Anlaufstellen der Heimunterhaltung ausbauen, bis hin zum Onlineanschluss mit Verkauf von Musik und Spielfilmen über Internet. Microsoft hat daher Milliarden Dollar in dieses Projekt investiert und zwei Fertigungsstätten in Mexiko und Ungarn errichten lassen.

Die X-Box ist der erste ernst zu nehmende Versuch Microsofts, im Hardwaregeschäft Fuß zu fassen, die Sparte hat daher bereits Gewicht, entsprechend ehrgeizig sind die Pläne: Bis Jahresmitte sollen weltweit 4,5 bis sechs Millionen X-Boxen verkauft sein. Sony hat innerhalb von zwei Jahren bereits 25 Millionen PS 2 verkauft.

Doch die Zweifel an der X-Box wachsen. Goldman Sachs hatte jüngst seine Verkaufsprognosen um 500 000 Stück gesenkt, Deutsche Bank Alex Brown schätzt sogar, dass Microsoft nicht einmal die Untergrenze von 4,5 Mill. Boxen erreicht. Die Frage ist nun, ob Microsoft Sony auch in den USA mit einer Preisoffensive angreifen und wie Sony reagieren wird. Für Sony ist die PS 2 eine wichtige Ertragsstütze.

Microsoft weigert sich bis heute, konkrete Verkaufszahlen für den Europa-Start der X-Box zu nennen. Probleme zeigten sich aber schon am ersten Tag, als etwa deutsche Mediamärkte den empfohlenen Preis um 80 Euro unterboten. Konkurrent Sony zeigt sich unbeeindruckt: Laut Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony Computer Entertainment Deutschland, wurden in Deutschland in der ersten Verkaufswoche doppelt so viele X-Boxen wie Playstations 2 verkauft. Schon in der dritten Woche habe sich das Blatt komplett gewendet: Wenn Microsoft eine X-Box an den Spieler brachte, verkaufte Sony mehr als vier seiner PS 2.

Microsoft will die frühen X-Box-Käufer entschädigen. Kunden, die vor dem 26. April gekauft haben, sollen zwei Spiele und einen Controller als Ausgleich erhalten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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