Schließung einer Fabrik noch unklar
Opel kürzt auf allen Ebenen

Der Autohersteller Opel streicht die Produktionskapazitäten zusammen. Tiefe Einschnitte stehen auch Verwaltung und Vertrieb bevor. Endgültige Entscheidungen fallen Ende September.

zel RÜSSELSHEIM. Die Adam Opel AG kürzt die Produktionskapazität in den europäischen Werken bis zum Ende des Jahres 2003 um 15 %. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster an. "Es müssen einige harte Maßnahmen ergriffen werden, um die finanzielle Situation des Unternehmens zu verbessern", begründete der seit April amtierende Opel-Chef die Einschnitte bei der deutschen Tochter des US-Autokonzerns General Motors (GM). Statt 2,2 Millionen werde Opel nur noch 1,8 Millionen Autos im Jahr produzieren können.

Mit dem Sanierungsprogramm "Olympia" will Forster Opel vom Jahr 2003 an dauerhaft in die Gewinnzone zurückführen. Das Rüsselsheimer Unternehmen will in den kommenden zwei Jahren durch neue Einsparungen und zusätzliche Erträge 2 Mrd. Euro erwirtschaften. 1 Mrd. Euro will es allein beim Materialeinkauf sparen. Noch schreibt es tiefrote Zahlen: 2000 betrug das Minus fast 900 Mill. DM, für das laufende Jahr rechnet Opel intern bisher mit einem Verlust von mindestens 500 Mill. DM.

Offen bleibt, ob Opel im Rahmen der Kapazitätskürzungen auch ein komplettes Werk schließen wird. In den vergangenen Tagen war über die Schließung des Werkes Antwerpen spekuliert worden, wo 6 000 Beschäftigte im Jahr gut 300 000 Exemplare des Mittelklasse-Modells Astra bauen. Würde Opel auf Antwerpen verzichten, wären die geplanten Kapazitätskürzungen auf einen Schlag erreicht.

Auf Teile der Produktion verzichten

Forster wollte die Schließung einer kompletten Fabrik nicht ausschließen. Die Ziele könnten aber auch erreicht werden, wenn alle europäischen Opel-Werke auf einen Teil ihrer Produktion verzichteten. Außer in Deutschland und Belgien produziert die GM-Tochter noch in Großbritannien, Spanien, Portugal und Polen. Auch die schwedische GM-Tochter Saab ist in das Sanierungsprogramm einbezogen. Forster will zudem Randbereiche der Produktion an Zulieferer verkaufen.

Opel-Personalvorstand Norbert Küpper hält auch Lohnkürzungen für denkbar. Das Unternehmen denkt vor allem über Einsparungen bei übertariflichen Leistungen nach.

Die Entscheidung in der Kapazitätsfrage wird spätestens Ende September fallen. Der Opel-Vorstandschef kündigte an, dass es einen Beschluss nur zusammen mit dem Betriebsrat geben werde. "Wir wollen einen ernsthaften Dialog führen und werden auch künftig Detailplanungen mit unseren Arbeitnehmervertretern diskutieren", sagte Forster. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz wiederholte gestern, "dass es mit uns keine Werkschließung geben wird". Das gelte nicht nur für Deutschland, sondern für alle europäischen GM-Werke. Franz sprach sich auch entschieden gegen betriebsbedingte Kündigungen aus.

Unabhängig von der Frage, ob Opel ein Werk schließt, steht das Unternehmen erneut vor einem Abbau von Arbeitsplätzen. Forster wollte sich nicht genau festlegen. Doch es gilt als sicher, dass im Rahmen von "Olympia" mehrere tausend Stellen verloren gehen werden. Forster will insbesondere in der internen Verwaltung und im Vertrieb sparen. Opel beschäftigt in Deutschland gut 40 000 Mitarbeiter und hatte zuletzt am Stammwerk in Rüsselsheim die Zahl der Mitarbeiter in der Produktion um etwa 3 500 gekürzt. Ende 2000 hatten GM und Opel bereits die Schließung des britischen Montagewerks Luton mit 3 000 Stellen angekündigt. Die Kosten des "Olympia"-Sanierungsprogramms bezifferte Forster auf mindestens 1 Mrd. Euro.

Auf einen harten Sparkurs müssen sich auch die Opel-Händler einstellen. Forster kündigte an, dass er die Zahl der Händler in Deutschland (derzeit gut 1 000) halbieren wolle.

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