Schließungswelle droht
Die Leiden der jungen Hedgefonds

Die Zeiten des großen Booms für Hedgefonds scheinen vorbei zu sein. Gewinnstagnation und unruhige Investoren haben das rasante Wachstum der nur gering behördlich kontrollierten Fonds verlangsamt.

NEW YORK. Hedgefonds sind Kapitalsammelstellen, die mit zahlreichen Instrumenten versuchen, eine vom Kapitalmarkt unabhängige Rendite zu erwirtschaften. Besonders hart erwischt es derzeit Neugründungen, die in den euphorischen letzten Jahren aufgelegt wurden. Einige dieser Start-Ups haben schon dicht gemacht, andere werden folgen. Schuld ist der Bärenmarkt in diesem Jahr. Die Hedge-fonds-Branche insgesamt verzeichnet im Jahresvergleich leichte Verluste und bestenfalls eine Stagnation.

Welch eine Ernüchterung nach einem Jahrzehnt der Wachstumsexplosion. Vom ersten zum zweiten Quartal dieses Jahres fielen die Mittelzuflüsse um 18 Prozent. Der Rückgang sei auf stagnierende Resultate in den vergangenen vier bis fünf Monaten zurückzuführen, sagt Robert Schulman, Betreiber der Datenbank Tass Research. Die Zahl der von TASS verfolgten Hedgefonds war von 805 Ende 1993 auf 2068 Ende Juli gestiegen.

Vor allem kleine Fonds spüren den Druck. Sie müssen, um überleben zu können, überdurchschnittliche Ergebnisse ausweisen - und das ist zurzeit schwer. Für die Großen der Branche ist das Bild nicht so dramatisch: Hedgefonds sind in ihrer Gesamtheit seit April 2000 um fünf Prozent gestiegen. Der Dow Jones ist im Vergleich um 24 Prozent gefallen, die Nasdaq verlor 73 Prozent.

Doch trotz der Erfolge der großen, mit reichlichen Kapital ausgestatteten Fonds bleibt die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Fonds in der TASS-Datenbank ein verwaltetes Vermögen von weniger als 50 Mill. Dollar aufweisen, weniger als ein Drittel verfügt über mehr als 100 Mill. Dollar. Wie überall, trifft ein Abschwung auch in der Hedgefonds-Branche die Kleinen am schwersten. "Wir sehen schon, wie einige jüngere Hedgefonds, oft in ihrem zweiten Existenzjahr, ins Schleudern kommen und zumachen müssen," sagt Schulman. "Der durchschnittliche Manager ist 35 Jahre alt und hat so einen Markt noch nie erlebt. Zum Jahresende kommt eine riesige Pleitewelle."

Hedgefonds-Manager verdienen ihr Geld zunächst über die Managementgebühr, die gewöhnlich ein Prozent des verwalteten Vermögens beträgt. Mit ihr sollen die Betriebskosten abgedeckt werden. Das richtige Geld kommt aber über die Gewinnbeteiligung herein, die üblicherweise 20 Prozent des Profits beträgt. Stagniert ein Fonds oder macht er sogar Verluste, fällt dieser Anteil weg. Es bleibt nur die Managementgebühr. Verluste schreibende Hedgefonds bekommen erst dann wieder eine Gewinnbeteiligung, wenn die Investoren entschädigt sind.

Um verlorenes Terrain wiederzugewinnen, könnten sich besonders kleinere Hedgefonds zu Investitionen mit großen Risiken hinreißen lassen. "Die Manager wissen, dass sie ihren Einsatz erhöhen müssen. Sie treffen aus Geschäftsgründen unsinnige Investitionsentscheidungen, wenn sie in diesem Jahr 15 oder 20 Prozent verloren haben und im letzten Jahr auch schon ein wenig", sagt Mario Gabelli, Chairman des Fonds Gabelli Asset Management Inc. Und nicht nur die jungen Manager seien dem Druck ausgesetzt. Tatsächlich hat vor über einem Monat Bayard Partners Ltd. aufgegeben. Bayard war mit einem verwalteten Vermögen über 250 Mill. Dollar einer der ältesten Hedgefonds in London und einer der erfolgreichsten in Europa.

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