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Schlünz contra Doll im Kellerduell

Für 90 Minuten müssen Juri Schlünz und Thomas Doll ihre Freundschaft ruhen lassen. Da zählt es nicht, dass sie einst in der DDR-Oberliga drei Serien gemeinsam bei Hansa Rostock (1984 bis 1986) gespielt haben und heute immer noch regelmäßig miteinander telefonieren.

dpa HAMBURG. Für 90 Minuten müssen Juri Schlünz und Thomas Doll ihre Freundschaft ruhen lassen. Da zählt es nicht, dass sie einst in der DDR-Oberliga drei Serien gemeinsam bei Hansa Rostock (1984 bis 1986) gespielt haben und heute immer noch regelmäßig miteinander telefonieren.

Im Nordderby der Kellerkinder zwischen dem Bundesliga-Letzten Hansa Rostock und dem Tabellen-14. Hamburger SV geht es um den Arbeitsplatz von Schlünz. Bei einer siebten Heimniederlage im Ostseestadion wäre er wohl nicht mehr zu halten oder würde selbst seinen Hut nehmen. Doch auch Doll muss punkten, um in Hamburg zu beweisen, dass der Aufwärtstrend nach dem Toppmöller-Wechsel kein laues Lüftchen war.

"Rostock liegt mir am Herzen, schließlich bin ich in meinen sieben Jahren dort erwachsen geworden", sagt Doll, "aber wir können uns beide keine Sentimentalitäten erlauben." Schließlich ist der HSV nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt, bei einer Niederlage wäre die Stimmung an der Elbe wieder am Tiefpunkt. Nach dem bitteren 90-Sekunden-K.o. zu Hause gegen Schalke will Doll seine Jungs cleverer und abgebrühter sehen: "Das Soziale zählt am Sonntag nicht."

Auch Schlünz, der Doll seit dessen Wechsel 1979 von Malchin zur Kinder- und Jugendsportschule nach Rostock kennt, will von Gastgeschenken an seinen alten Weggefährten nichts wissen. "Wir verstehen uns gut und ich hoffe, dass Thomas noch genug Punkte holt und die Klasse hält. Aber bitte nicht bei uns", sagte der 43-Jährige, der nach dem erstmaligen Einzug ins Pokal-Viertelfinale seit 1999 (3:2 gegen LR Ahlen) auch das Ende der "schwarzen Serie" im Ostseestadion herbeisehnt: "Ich hoffe, dass uns dieser Sieg Auftrieb für die schweren Aufgaben in der Bundesliga gibt."

Statistisch gesehen stehen die Chancen für die Gastgeber besser: Hansa verlor keines der letzten fünf Heimspiele gegen den HSV. Doch angesichts des schwächsten Angriffs und der löchrigsten Abwehr der Liga rechnet sich der HSV einiges aus. So fordert auch Sportchef Dietmar Beiersdorfer die maximale Ausbeute beim Nordrivalen: "Wir haben viele Zähler einfach liegen lassen. Die müssen wir uns im Ostseestadion zurückholen."

Kein Pardon kennen auch drei andere Ex-Rostocker: Sergej Barbarez (1996-1 998), Martin Pieckenhagen (1996-2001) und Stefan Beinlich (1994-1 997) denken zwar gern an ihre zum Teil gemeinsame Zeit an der Ostsee zurück. "Das wird ein harter Kampf", meint Beinlich, der zugibt, an Rostock wie an einer alten Liebe zu hängen. "Ich hoffe, dass Hansa nicht absteigt, aber wir brauchen dringend drei Punkte."

Von der Bank aus wird wohl Rostocks Problemfall Razundara Tjikuzu die brisante Partie verfolgen. Der wegen einiger Eskapaden in Ungnade gefallene Abwehrspieler, der bisher nur in acht Partien auflief und meilenweit von seiner Bestform entfernt ist, will möglichst schnell zum HSV wechseln, am besten schon zur Rückrunde. Im Sommer wollte Hansa den 24-Jährigen für eine halbe Million Euro Ablöse nicht ziehen lassen. Vielleicht gibt es am Wochenende schon eine Einigung zwischen beiden Nordclubs.

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