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Schlünz tritt nach HSV-Debakel zurück

Nach der höchsten Bundesliga-Heimpleite des FC Hansa Rostock hat Trainer Juri Schlünz die Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt erklärt. "Ich übernehme die Verantwortung", sagte die seit 30 Jahren dem Club angehörende Kultfigur nach dem 0:6- Debakel gegen den Hamburger SV.

HB ROSTOCK. "Das war eine Offenbarung und den Fans nicht zuzumuten. Ich möchte das Vertrauen, das bisher in mich gesetzt wurde, nicht weiter missbrauchen", wählte der 43-Jährige drastische Worte. Zuvor hatte seine Mannschaft eine erbärmliche Vorstellung abgeliefert. Collin Benjamin (20. Minute), David Jarolim (35./63.), Naohiro Takahara (42.), Moreira di Silva (47.) und Bernardo Romeo (83.) besiegelten vor 18 000 Zuschauern den ersten Sieg der Hamburger im Rostocker Ostseestadion seit dem 21. März 1999.

"Wenn wir sehen, wie das hier zu Stande gekommen ist - da fehlen einem die Worte", meinte der Vorstandsvorsitzende Manfred Wimmer schon zur Pause. "Es kam alles anders, als wir es uns vorgenommen hatten." Ihn und Aufsichtsrats-Chef Horst Klinkmann hatte Schlünz nach dem Abpfiff um ein Gespräch gebeten, bei dem er seine Entscheidung bekanntgab. Es war der vierte Trainerwechsel in der Saison.

Während Hansa mit acht Punkten Schlusslicht bleibt, wittert der HSV (16) unter dem früheren Rostocker Thomas Doll wieder Höhenluft. "Das tut schon etwas weh, schließlich habe ich ja früher in Rostock gespielt", gab HSV-Coach Doll zu, der von 1984 bis 1986 gemeinsam mit Schlünz in der DDR-Oberliga bei Hansa gekickt hatte. Von einem Hamburger Höhenflug wollte er trotz des Kantersiegs aber nichts wissen: "Wir haben heute einen kleinen Schritt nach vorn gemacht, aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen."

Schon in der Startphase jubelten beide Mannschaften über das vermeintliche Führungstor, doch Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) erkannte die Treffer wegen Abseits bzw. Foulspiels nicht an. Das nächste Achtungszeichen setzte HSV-Spielmacher Sergej Barbarez, dessen Schrägschuss knapp am langen Pfosten vorbeisegelte (10.).

Die Gäste übernahmen nach der kurzen Start-Offensive der Rostocker die Initiative, machten schon im Mittelfeld viel Druck und ließen die Bälle wie am Schnürchen laufen. Der Lohn war die Führung durch den sieben Minuten zuvor eingewechselten Benjamin, der eine Freistoßflanke von Stefan Beinlich mit einem wuchtigen Kopfstoß verwandelte. Jarolim hatte nach einem überfallartigen HSV-Konter sogar das 2:0 auf dem Fuß (26.), Hansa-Torwart Matthias Schober konnte mit letztem Einsatz klären.

Rostock musste nach dem 0:1 alles auf eine Karte setzen - doch die drei Angriffs-Trümpfe Magnus Arvidsson, Antonio Di Salvo und Rade Prica stachen einfach nicht; zudem war die Abwehr ein Torso. Die Hamburger lauerten zunächst auf Konter und machten das Spiel dann allein. Barbarez vergab die Chance zum möglichen 4:0 (40.) - Moreira nutzte sie nach der Pause eiskalt. Antonio Di Salvo konnte im Gefühl des Untergangs selbst eine "hundertprozentige" Chance der Rostocker zum Ehrentreffer (85.) nicht nutzen.

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