Schlüssel für Zukunft liegt immer noch bei der France Télécom
Stillstand bei Mobilcom

"Hier tut sich im Moment nichts", sagt Kai Petersen von der Rendsburger IG Metall. Auch die Verhandlungen zwischen dem Vorstand und den Arbeitnehmern um den Abbau der Hälfte aller Arbeitsplätze haben noch nicht ernsthaft begonnen.

HB/dpa HAMBURG. Doch schon in der kommenden Woche schlägt wieder einmal die Stunde der Wahrheit: Zum dritten Mal werden Kredite über 4,7 Mrd. Euro fällig, zum dritten Mal steht der Gang zum Insolvenzrichter bevor, falls die Banken die Geduld verlieren. Schon zwei Mal haben die Banken die Frist verlängert, weil sie bei einer Insolvenz das Geld wohl vollständig abschreiben müssten. So könnte es auch am nächsten Montag wieder laufen.

Der Schlüssel für die Mobilcom-Zukunft liegt nach wie vor bei dem Großaktionär und bisherigen Finanzier France Télécom in Paris. Mobilcom-Aufsichtsrat Dieter Vogel bemüht sich, mit dem neuen Chef Thierry Breton die Zugeständnisse zu klären, zu denen der französische Konzern bereit ist. Aus den Gesprächen ist noch nichts nach außen gedrungen; greifbare Ergebnisse liegen nicht vor. Der ausgeschiedene France-Télécom-Chef Michel Bon hatte sich in der Hochphase des Telekommunikations-Booms zu weit reichenden Zugeständnissen gegenüber MobilCom hinreißen lassen, die jetzt als Grundlage für Forderungen dienen.

So lange die Franzosen nicht sagen, ob sie die Mobilcom-Schulden übernehmen wollen und ob sie zu weiteren Zahlungsverpflichtungen stehen, geht es auch auf allen anderen Baustellen des schleswig- holsteinischen Unternehmens nicht voran. So können die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Landesbank in Kiel nicht darüber entscheiden, ob sie weitere Kredite über 350 Mill. Euro auszahlen. Dieses Geld hatte die Bundesregierung kurz vor der Wahl in Aussicht gestellt, um eine Insolvenz abzuwenden. Die staatlichen Banken wollen aber nur Geld geben, das MobilCom auch zurückzahlen kann.

Mobilcom-Chef Thorsten Grenz kann sich zudem nicht auf die Suche nach einem Partner begeben, der vielleicht zu günstigen Konditionen in das Geschäft mit dem neuen Handy-Standard UMTS einsteigen will, so lange die Finanzen nicht klar sind. Und schließlich sind auch die Betriebsräte und Gewerkschaften nicht übermäßig an einem Sozialplan interessiert, so lange die Insolvenzgefahr nicht vom Tisch ist. Würde ein Insolvenzverwalter eingesetzt, so müsste er Verpflichtungen aus einem Sozialplan nicht erfüllen.

Der einzige Mann, der Aufklärung bringen kann, ist Thierry Breton. Der neue Chef an der Spitze von France Télécom hat sich einige Wochen Zeit gegeben, um die Verhältnisse in dem hoch verschuldeten Konzern zu studieren. Dann will er darlegen, wie er den riesigen Schuldenberg von rund 70 Mrd. Euro abtragen und das Unternehmen wieder nach vorn bringen will. "Ich bin mir der Schwierigkeit der Aufgabe bewusst", sagte er Anfang des Monats. Zum Problem MobilCom hat er noch keine Silbe verloren.

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