Schlussverkauf macht Adidas und Puma keine Sorgen
Sportartikelbranche boomt dank Life-Style

Dass Preise für Markenware im Schlussverkauf purzeln, ist normal. Dass sie derart abstürzen wie in diesen Tagen, ist schon eher ungewöhnlich. Die großen Sportartikel-Hersteller nehmen die Ramscherei im Vorfeld der Sportartikel-Messe Ispo, die Samstag in München startet, aber gelassen auf.

MÜNCHEN. Bei Adidas-Salomon boomt der Laufschuhabsatz und damit die Nachfrage nach den teuren "Clima-Cool"-Schuhen. Das sind luftdurchlässige Laufschuhe mit Spezialmembranen in der Sohle. Eine halbe Million Paar wollte Adidas in diesem Jahr verkaufen. "Es werden eine Dreiviertelmillion", freut sich Marketing-Vorstand Erich Stamminger. Dazu kommen noch einmal mindestens 250 000 Paar "A3"-Laufschuhe mit neuer Dämpfungstechnik. Auch hier rechnet Adidas mit "deutlich mehr" Verkäufen als geplant.

Dies sind alles Indizien dafür, dass die Nummer zwei auf dem Weltmarkt die selbst gesteckten Ziele erreichen wird. Geplant sind in diesem Jahr ein Umsatzplus von mindestens 5 % und eine Gewinnsteigerung zwischen 5 und 10 %. Die Halbjahreszahlen legt Adidas am Mittwoch vor. Mit dem gleichen Wachstumstempo rechnet der mit 10 Mrd. $ Umsatz fast doppelt so große Branchenprimus Nike.

Am schnellsten wächst derzeit aber der kleinere Konkurrent Puma. Mehr als 60 % stieg der Auftragseingang im ersten Halbjahr. Zweimal konnten die Manager aus Herzogenaurach bereits die Prognose des Umsatzwachstums nach oben korrigieren. Erstmals wird Puma 2002 an der Ein-Milliarden-Euro-Grenze kratzen.

Seit knapp drei Jahren wird die Marke immer beliebter - vor allem bei Frauen. Die Raubkatze ist "hip"- und das nicht nur bei Pop-Idol Madonna. "Wir haben Puma konsequent auf Life-Style ausgerichtet", sagt Puma-Chef Jochen Zeitz. Life-Style heißt für ihn in erster Linie Farb- und Formgestaltung, die es erleichtert, Sportschuhe auch zur Alltagskleidung anzuziehen. Bei der Funktion würden keine Abstriche gemacht. Zumindest derzeit geht die Strategie auf. Die Puma-Treter haben sich in die Büros geschlichen. "Uns ist sicher entgegengekommen, dass sportliche Kleidung am Arbeitsplatz anders als noch vor zehn Jahren immer mehr Akzeptanz findet", räumt Zeitz ein.

Die Angst, als Modemarke einmal wieder out zu sein, hat Zeitz nicht. "80% der für den Sport hergestellten Produkte werden nach Marktuntersuchungen nicht beim Sport getragen", sagt Zeitz.

Markt hat sich geändert

Doch nicht nur Puma feiert bei Sportmode Erfolge. Modeunternehmen wie Prada, Gucci oder Escada drängen auf das Terrain mit eigenen Sport-Kollektionen. Lange hat sich Adidas auf diesem Feld schwer getan, doch der Sportriese will zurückschlagen. In Tokio und Berlin laufen erfolgreich so genannte "Original-Stores", wo alte Adidas-Modelle wiederbelebt werden. Rund 15% des Umsatzes kommen aus dem neu benannten "Heritage-Bereich", 25 bis 30% sollen es werden. Kürzlich hat Adidas noch einen drauf gesetzt. Stardesigner Yohji Yamamoto bekommt eine eigene Kollektion mit Schuhpreisen ab 250 Euro. In fünf bis zehn Jahren soll die Nobel-Linie 5 % zum Umsatz beitragen.

Mit dem Vorstoß in die "Haute Couture" will sich Adidas vom spröden Charme der Adiletten verabschieden. "Der Markt ist völlig anders als noch vor fünf Jahren", sagt Stamminger. Dennoch sieht der Adidas-Manager die Marke klar im Sport verankert. Immerhin werden derzeit noch 85% des Umsatzes dort erzielt. Technische Neuheiten, wie die luftdurchlässigen Laufschuhe sind Pflicht, wenn sich Adidas das angestrebte Preissegment bei Schuhen zwischen 75 und 100 $ sichern will.

In der Vergangenheit ließen sich die Franken da schon mal den Schneid abkaufen, etwa mit luftgepolsterten Sohlen von Nike. Konzessionen an die wirtschaftliche Lage will Stamminger nicht machen: "Einen Depressions-Schuh für unter 50 Euro wird es nicht geben." Allenfalls im Schlussverkauf wird die Grenze unterschritten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%