„Schmid geht es nur um Schmid selbst“
Mobilcom-Belegschaft protestiert gegen Ex-Chef

Etwa 1500 Mobilcom-Beschäftigte haben am Mittwoch in Büdelsdorf gegen ihren ehemaligen Chef Gerhard Schmid protestiert. Auch an anderen Mobilcom-Standorten wie Erfurt, Hallbergmoos und Karlstein gab es Protestaktionen der Beschäftigten.

HB/dpa BÜDELSDORF. Sie forderten den Firmengründer in einem offenen Brief auf, seine Unterschrift unter den strittigen Treuhänder-Vertrag zu setzen. Ohne diese Unterschrift müsse das Telekommunikationsunternehmen am Donnerstag Insolvenz anmelden, sagte der Büdelsdorfer Mobilcom-Betriebsratsvorsitzende James Ford.

Auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) und der Rendsburger IG Metall-Chef Kai Petersen forderten, dass Schmid seinen Beitrag zur Mobilcom-Rettung leisten müsse. Die Beschäftigten trugen Plakate wie "Wir sind wichtig, nicht das Geld" oder "Herr Schmid - Ihre Unterschrift gegen unsere". Auch Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein nahm an der Kundgebung gegen den einst von der Politik hofierten und von den Mitarbeitern bewunderten Firmengründer teil.

Für die Rettung von Mobilcom müsse Schmid seinen Teil der Zusagen einhalten und seine Aktien einem Treuhänder übergeben, forderte Petersen. Der Betriebsrat habe seinen Teil dazu beigetragen und einem Abbau von 1850 der rund 5000 Stellen zugestimmt. "Schmid geht es nur um Schmid selbst", kritisierte der Gewerkschafter. Rohwer bezeichnete Schmids Verhalten als "nicht akzeptabel". Eine Lösung sei zum Greifen nahe. Er halte Mobilcom immer noch "für eines der besten Unternehmen am Markt". Er erwarte, dass "Schmid jetzt über die letzte Hürde springt und seinen Beitrag zur Rettung des Unternehmens leistet".

Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz nannte die Kundgebung ein Signal an die Ministerien in Berlin und Kiel und ein Signal an die Banken. Erst wenn die letzten Bremsklötze weg seien, dann könne Mobilcom losmarschieren und wieder ein aktiver Service-Provider werden.

Schmid und die Bundesregierung bemühten sich unterdessen weiter intensiv um die Rettung des angeschlagenen Mobilfunkunternehmens. Die Verhandlungen um den strittigen Treuhänder-Vertrag verliefen in konstruktiver Atmosphäre, hieß es aus dem Umfeld. Schmid will den Treuhänder für seine Aktien selbst bestimmen, kein Verkaufsverbot akzeptieren und kein Schuldanerkenntnis in einem anhängigen Rechtsstreit abgeben. Das hatte die Bundesregierung von ihm gefordert. Die Verhandlungen sollten noch am Mittwoch abgeschlossen werden.

Falls Schmid und die Bundesregierung sich nicht auf einen Treuhänder-Vertrag einigen können, ist die Sanierung des Unternehmens insgesamt blockiert und eine Insolvenz nicht mehr abzuwenden. Die Finanzspritze von 50 Millionen Euro, die auf Betreiben der Bundesregierung kurz vor der Bundestagswahl an Mobilcom ging, ist fast aufgebraucht.

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