Schmid könnte die Macht verlieren
Spannender als ein Krimi: Der Kampf um Mobilcom

Alles ist möglich. France Telecom sucht händeringend nach einer Lösung im Streit mit Mobilcom-Chef Schmid. Der denkt angeblich sogar über einen Verkauf seiner Anteile nach.

Reuters PARIS/HAMBURG. In Kürze soll sich entscheiden, ob Mobilcom-Chef Gerhard Schmid die Macht in dem von ihm gegründeten Unternehmen verliert. Der französische Telekommunikationskonzern France Telecom sucht nach eigenen Angaben weiter nach Auswegen im Konflikt mit der Mobilcom AG über seine Finanzierungsverpflichtungen beim Aufbau des deutschen UMTS-Mobilfunknetzes.

Mit Mobilcom werde weiter über alle möglichen Szenarien verhandelt, bisher sei aber keine Einigung erzielt worden, sagte ein Sprecher von France Telecom am Mittwoch in Paris. Die französische Tageszeitung "La Tribune" hatte zuvor ohne Angabe von Quellen berichtet, Mobilcom-Chef Gerhard Schmid wolle seinen 42-prozentigen MobilCom-Anteil an eine Gruppe von Banken verkaufen. Dies würde France Telecom freie Hand geben, die von MobilCom bisher geplanten UMTS-Investitionen zu strecken. Im Markt wird seit einigen Tagen spekuliert, Schmid könnte seine Aktien verkaufen wollen. Zurzeit ist France Telecom mit 28,5 Prozent zweitgrößter Aktionär der Büdelsdorfer Mobilcom AG.

Schmid will France-Telecom-Einfluss verringern

Wie das Handelsblatt erfuhr, strebt Schmid die Ablösung eines der beiden France-Telecom-Vertreter im Aufsichtsrat von Mobilcom an. Schmid sei verärgert über Eric Bouvier, weil der das Kontrollgremium über eine bereits bestehende wirtschaftliche Verbindung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu France Telecom falsch informiert habe. Der Aufsichtsrat hatte auf seiner Sitzung Anfang März den Wirtschaftsprüfer BDO damit beauftragt, ein Aktiengeschäft bei Mobilcom zu untersuchen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine zunächst ausgewählte Firma bereits im Auftrag von France Telecom arbeitete.

Am Mittwoch wollte BDO dem Aufsichtsrat von Mobilcom das Ergebnis seiner Prüfung eines von Mobilcom geplanten Aktienoptionsprogramms präsentieren. Die auszugebenden Aktien stammen aus dem Privatvermögen von Sybille Schmid-Sindram, der Ehefrau von Mobilcom-Chef Schmid. Umstritten ist, ob der Kauf der Aktien mit finanzieller Unterstützung von Mobilcom zu Stande gekommen ist.

Streitpunkt UMTS-Investitionen

Darüber hinaus liegen die beiden Unternehmen im Streit über die sich aus einem Kooperationsabkommen ergebenden finanziellen Verpflichtungen beim Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland. Während Mobilcom bis Ende 2003 rund 1,4 Milliarden Euro investieren will, verlangt France Telecom die Ausgaben zu strecken.

Mobilcom hatte damit gedroht, Teile des Kooperationsabkommens mit France Telecom zu veröffentlichen. Damit sollte belegt werden, dass sich der französische Konzern dazu verpflichtet hat, dem Büdelsdorfer Unternehmen den Aufbau des UMTS-Netzes zu finanzieren. France Telecom ist über ihre Mobilfunktochter Orangean Mobilcom beteiligt und kann von November 2003 an durch Ankauf von Aktienpakete von Schmid eine Mehrheit an dem Büdelsdorfer Konzern erwerben.

Die im Nemax50 notierten Mobilcom-Aktien lagen am frühen Nachmittag 4,65 Prozent im Minus und notierten knapp unter 15 Euro.

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