Schmid schießt quer
Mobilcom prüft Freenet-Verkauf

Der Mobilfunkdienstleister Mobilcom unternimmt wenige Monate nach der Beinahepleite erste Schritte für den Verkauf seiner profitablen Internettochter Freenet. "Wir sind auf der Ebene von Vorprüfungen angekommen", sagte Vorstandschef Thorsten Grenz auf der Hauptversammlung am Montag in Hamburg.

Reuters HAMBURG. Als Sicherheit für einen überlebensnotwendigen Kredit von Gläubigerbanken für die Sanierung des Büdelsdorfer Unternehmens war die 76-prozentige Freenet-Beteiligung von Mobilcom an die Kreditinstitute verpfändet worden. Die Banken üben nach Angaben von Grenz aber noch keinen Druck zum Verkauf der Anteile aus.

Sein Vorgänger an der Mobilcom-Spitze und Gründer der Firma, Gerhard Schmid, ging indes mit der Strategie des neuen Chefs hart ins Gericht. Der Großaktionär verlangte, Mobilcom solle sich nicht von Freenet, sondern vielmehr vom Geschäft mit dem Wiederverkauf von Mobilfunkverträgen anderer Anbieter trennen.

Die im TecDax notierte Mobilcom-Aktie legte bis zum Nachmittag gut ein Prozent auf 5,13 ? zu. Freenet-Titel gewannen sogar fast vier Prozent auf auf 18,10 ?. Grenz sagte zu den Überlegungen für einen Freenet-Verkauf, dass Mobilcom dabei "ohne Hast" vorgehe. Zu dem erwarteten Verkaufserlös fügte er hinzu: "Wir sind sicher, dass Freenet mehr wert ist als wir brauchen, um das Darlehen zu tilgen." Mobilcom war im Rahmen des Vergleichs mit seinem Großaktionär France Telecom von den Banken ein Sanierungsdarlehen über 162 Mill. ? gewährt worden. Davon wurden etwa 140 Mill. ? für Personalabbau und Restrukturierung benötigt. Als Sicherheit für den Kredit erhielten die Banken das Pfand an der Freenet-Beteiligung. Grenz sagte, Mobilcom stehe nicht unter dem Druck der Banken, die Beteiligung möglichst bald zu veräußern. Ein "Notverkauf" solle vermieden werden.

Grenz verteidigte seine Sanierungsstrategie. Er bezeichnete das zweite Halbjahr 2003 als "neue Bewährungsprobe". Der derzeitige Rückgang der Kundenzahl und der fallende Marktanteil seien planmäßig und wegen des engen Budgets ohne Alternative. Er bekräftigte aber seine Prognose, wonach Mobilcom im Gesamtjahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erzielen will.

France Telecom hatte im vergangenen Jahr rund sieben Mrd. UMTS-Schulden von Mobilcom übernommen. Im Gegenzug dazu hat die Firma ihre UMTS-Aktivitäten eingestellt und die dazu aufgebauten Netzanlagen für den Mobilfunk der nächsten Generation jüngst für 20 Mill. ? an seinen Konkurrenten E-Plus verkauft.

Im Rahmen seiner Sanierung baute Mobilcom insgesamt 2000 seiner einst 5500 Arbeitsplätze ab und schloss drei von einst fünf Standorten. Zudem wurden die Festnetzaktivitäten für 35 Mill. ? an Freenet verkauft. Seitdem konzentriert sich Mobilcom auf das Geschäft als Mobilfunk-Service-Provider. In den ersten drei Monaten 2003 schaffte der Konzern mit 0,1 Mill. ? vor Zinsen und Steuern operativ die Rückkehr in die Gewinnzone. Dabei fiel im Kerngeschäftsfeld Service Providing ein Verlust von Steuern, Zinsen und Abschreibung (Ebitda) von 5,2 Mill. ? an. Profitabel war lediglich der Bereich Festnetz/Internet.

Großaktionär Schmid kritisierte, Mobilcom verfolge mit der Konzentration auf den Wiederverkauf von Mobilfunkdiensten die falsche Strategie. In fallenden Märkten müsse Mobilcom neue Dienste offerieren und sich nicht auf das Massengeschäft mit Telefonminuten konzentrieren. "Ich wünsche, dass nicht nur Kosten gespart werden, sondern Geschäftschancen wahrgenommen werden", sagte Schmid. Auch bezeichnete er die Sanierungserfolge als zu gering.

Mehrere Anteilseigner kritisierten indes erneut ein Aktiengeschäft Schmids aus dessen Zeit als Vorstandschef von Mobilcom mit einer Firma seiner Ehefrau, das auch Gegenstand von Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft ist. Zum Stand der Ermittlungen sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick zu Reuters: "Wir arbeiten mit Hochdruck am Abschluss der Ermittlungen." Spekulationen einiger Medien, eine Anklage wegen Untreue gegen Schmid stehe bevor, bestätigte Wick nicht. Die Staatsanwalt geht dem Verdacht nach, dass sich Schmid bei der Überweisung von 71 Mill. ? an die Firma Millennium seiner Frau Sybille für ein Aktienpaket der Untreue schuldig gemacht haben könnte.

Die Aktionäre verwehrten Schmid auf Antrag der Verwaltung wie schon auf der Hauptversammlung 2002 die Entlastung für seine Zeit als Mobilcom-Chef. Dies hat für ihn keine unmittelbaren Folgen. Für die Firma bedeutet dies nach Angaben eines Sprechers aber, dass sie Ansprüche gegen Schmid geltend machen kann.

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