Schmidt-Bank: Ende einer 173-jährigen Tradition
Geldbranche hat Angst vor spektakulärer Bank-Pleite

In Deutschland muss eine der letzten unabhängigen Privatbanken aufgeben: Gestern hat es die 173 Jahre alte Schmidt-Bank aus dem nordbayerischen Hof erwischt. Die Großbanken und die Bayerische Landesbank steigen bei dem Regionalinstitut ein und retten es damit vor dem sicheren Aus.

MÜNCHEN. Bank-Chef und-Inhaber Karl Gerhard Schmidt teilte gestern Abend nur mit, er begrüße die jetzt gefundene Lösung. Zuvor hatte der 66jährige Privatbankier eine finanzielle Schieflage und eine Existenzbedrohung seiner Bank beharrlich dementiert. Doch die Schlinge zog sich immer enger zu. Offenbar stand Jochen Sanio, Chef des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen, kurz davor, die Bank zu schließen. Zu hoch waren die Wertberichtigungen auf faule Kredite. In Bankenkreisen hieß es gestern, das Volumen könne unter Umständen noch höher als die 400 Mill. Euro liegen, über die bereits spekuliert wurde - zu viel für eine Bank mit einer Bilanzsumme von nur 13 Mrd. DM.

Doch vor einer spektakulären Bank-Pleite in Deutschland hat die deutsche Geldbranche Angst. Die negativen Schlagzeilen könnte dem gesamten Gewerbe schaden. Deshalb liefen schon seit mehreren Tagen intensive Verhandlungen über eine Rettung der Schmidt-Bank . Eine "bayerische Lösung" kam aber nicht zustande. Hypo-Vereinsbank und Bayerische Landesbank weigerten sich, dem Konkurrenten alleine beizuspringen. Zuletzt schaltete sich sogar Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) in die Krise ein. Die Landesregierung befürchtet, ein Bankzusammenbruch könnte unabsehbare Folgen für das extrem strukturschwache Nordbayern haben.

Die jetzt gefundene Lösung steht unter der Federführung des Bundesverband deutscher Banken und der Bayerischen Landesbank. Die beteiligten Großbanken - Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank, Deutsche Bank und Commerzbank - werden offenbar finanziell nicht belastet. Die Rettungsaktion für die Schmidt-Bank mit rund 140 Filialen finanziert in erster Linie der Einlagensicherungs-Fonds der Privatbanken.

Familie um ihr Lebenswerk gebracht

Ohnehin wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, die Privatbank solle gar nicht restrukturiert und überlebensfähig gemacht werden. Ziel sei vielmehr die unauffällige Abwicklung innerhalb der kommenden zwei Jahre. Eine offizielle Bestätigung gibt es natürlich nicht.

Die Familie Schmidt ist ohnehin um ihr Lebenswerk gebracht. Seit 173 Jahren befindet sich die Bank aus Nordfranken in Familienbesitz. "Wir sind mit Leidenschaft Privatbankiers", hatte Schmidt vor kurzem noch betont. Er werde seine Unabhängigkeit niemals aufgeben. Anfang der 90er Jahre kam die Bank angesichts der schnellen Expansion in Thüringen und Sachsen schon einmal in finanzielle Probleme. Damals half die staatliche Förderbank LfA, die dafür aber herbe Kritik einstecken musste.

Offen ist auch die Zukunft des am Neuen Markt notierten Discount-Brokers Consors, der von Schmidts Sohn Karl Matthäus geführt wird. Die ohnehin schon großen Probleme der Schmidt-Bank-Tochter dürften jetzt noch bedrohlicher werden. Zuletzt musste die Direktbank angesichts der Börsenflaute hohe Verluste melden. Verkaufsverhandlungen mit in- und ausländischen Investoren blieben ergebnislos. Den Großbanken war der anfängliche Erfolg von Consors ohnehin ein Dorn im Auge.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%