Schmidt-Bank in Nöten
Kommentar: Die Rettung als Anfang vom Ende

HB DÜSSELDORF. Die Rettungsaktion für die schwer angeschlagene Schmidt-Bank war spektakulär. In einem Verhandlungsmarathon einigten sich private und öffentlich-rechtliche Banken auf eine Auffanglösung. Gemeinsam war ihnen die Furcht vor den schlimmen Folgen eines Zusammenbruchs der Privatbank aus Nordbayern. Das Beispiel Herstatt-Bank aus den 70er-Jahren ist vielen noch in Erinnerung.

Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schmidt-Bank nicht wirklich gerettet werden soll. Der deutsche Bankenmarkt ist ohnehin überbesetzt. Da ist für eine Privatbank, die noch dazu wie eine regionale Sparkasse agiert, kein Platz. Das Traditionshaus soll, so die Planung, über die kommenden zwei bis drei Jahre kontrolliert und ohne viel Aufsehen abgewickelt werden. Ein Ende auf Raten, so das Kalkül von Bankenverband und Politik, ist für die Branche letztlich billiger als eine Banken-Pleite.

Doch es gibt auch noch viele ungeklärte Fragen. Der Discount-Broker Consors etwa, ein Kind der Schmidt-Bank, schwebt in großer Gefahr. Ein schneller Verkauf oder eine Zerschlagung ist wahrscheinlich, wird doch dringend Geld für die Mutter gebraucht. Angesichts der düsteren Lage auf den Aktienmärkten und der hohen Verluste der Direkt-Banken wird das Versilbern von Consors aber nicht einfach sein.

Unruhe dürfte es auch im Sparkassenlager geben. Denn die öffentlich-rechtlichen Banken beteiligen sich unter Leitung der Bayern-LB an der Rettung. Dem bayerischen Sparkassen-Präsidenten, Siegfried Naser, wird es nicht leicht fallen, der Organisation zu erklären, warum gerade sie mit ins Boot musste, denn die Schmidt-Bank ist schon lange in der Region ein harter Konkurrent der dortigen Sparkassen. Hinzu kommt, dass die Privatbanken zurzeit auf allen Ebenen gegen die Sparkassen vorgehen - erstaunlich, wie bereitwillig die Privatbanken nun das Geld der Sparkassen annehmen.

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