Schmidt-Bank unter Druck
Consors-Interessenten spielen offenbar auf Zeit

Die Interessenten für den zum Verkauf stehenden Anteil der Hofer Schmidt-Bank am Online-Broker Consors drängen nach Informationen aus Bankenkreisen nicht auf einen raschen Geschäftsabschluss. Vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Schmidt-Bank am Montag sei nicht mit einem Abschluss zu rechnen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus den gut unterrichteten Quellen.

Reuters FRANKFURT. Damit wächst nach Einschätzung von Analysten der Druck auf die Schmidt-Bank, die vor vier Monaten den Consors-Verkauf bis Ende März angekündigt hatte. Der Verkauf hat sich wegen Differenzen über den Preis aber verschoben. Schmidt-Bank, Consors und die mit dem Verkauf der Anteile betraute Privatbank Metzler gaben keinen Kommentar zu den Informationen aus den Kreisen ab.

Die Schmidt-Bank war im vergangenen November in finanzielle Schieflage geraten und musste von einem Bankenkonsortium aufgefangen werden. Seither steht der Consors-Anteil zum Verkauf. Die französische Bank BNP Paribas gilt inzwischen als Favorit für die Übernahme der Anteile. BNP ist die Konzernmutter der französischen Online-Bank Cortal. Durch eine Übernahme würde die größte europäische Online-Bank entstehen mit rund einer Million Kunden in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien und Spanien. Auch BNP gab jedoch keinen Kommentar zum möglichen Verkaufstermin ab.

"Die Situation ist sehr unbefriedigend und man muss sich fragen, ob Metzler und Schmidt-Bank wirklich die Kontrolle über den Verkauf haben", sagte ein Analyst einer deutschen Großbank. Es sei von der Schmidt-Bank nicht besonders klug gewesen, sich selbst eine so klare Terminvorgabe für den Verkauf zu setzen, weil sie sich damit unter unnötigen Druck gebracht habe. Der Aktienkurs der am Neuen Markt notierten Consors liegt inzwischen rund 16 Prozent unter einem Hoch von 15,14 Euro, das die Papiere im vergangenen Monat erzielt hatten. Zum gegenwärtigen Aktienkurs ist Consors nur noch rund 594 Millionen Euro wert. Der Anteil der Schmidt-Bank liegt demnach bei rund 386 Millionen Euro.

Die Hoffnungen der Investoren, dass es eine Bieterschlacht um die Anteile geben könnte, seien offenbar geschwunden, hieß es von Analysten. Zwischenzeitlich hatte die französische Sciete Generale erklärt, nicht mehr an Consors interessiert zu sein. Auch die Commerzbank ist offenbar aus dem Rennen. "Wenn BNP der einzige verbliebene Bieter ist, dann werden sie versuchen den Preis zu drücken, so tief sie können", sagte ein Analyst. Allerdings ist es nach Expertenansicht möglich, dass der US-Broker E-Trade noch ernsthaft für die Consors-Anteile bietet. Grund sei das Scheitern des Unternehmens bei dem Versuch, den US Datek Online Holdings Corp-Konkurrenten zu übernehmen.

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