Schmidt-Bank verkauft Anteile an BNP Paribas
Consors geht nach Frankreich

Die angeschlagene Schmidt-Bank hat ihre Mehrheitsbeteiligung an dem Online-Broker Consors an die französische Großbank BNP Paribas verkauft. Der Vertrag sei am Nachmittag in Frankfurt am Main unterzeichnet worden, teilte die Schmidt-Bank am Montag mit. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht.

rtr/vwd NÜRNBERG/HOF. BNP habe von der Consors-Mutter Schmidt-Bank den Zuschlag für das 66,4-prozentige Aktienpaket an dem Online-Broker erhalten, teilte Consors am Montag in einer nur vierzeiligen Pflichtveröffentlichung mit. Details der Übernahme werden BNP, Consors und die Schmidt-Bank am Dienstagmorgen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt präsentieren. Die Consors-Aktien notierten gegen 18.00 Uhr - nach einer einstündigen Handelsaussetzung - bei 11,90 Euro, rund 25 Prozent über ihrem Freitagsschluss. Bereits vor der Aussetzung hatten sie um 7,79 Prozent auf 10,24 Euro zugelegt.

Consors mit 572 Millionen Euro bewertet

Zu Schlusskursen von Freitag hatte das Consors-Paket der Schmidt-Bank einen Wert von rund 380 Millionen Euro, während der Nürnberger Online-Broker insgesamt mit 572 Millionen Euro bewertet wurde. Nach Einschätzung aus Finanzkreisen liegt der Kaufpreis für die Consors Discount Broker AG um die zehn Euro je Aktie und damit "in der Nähe des heutigen Börsenkurses". Consors stand seit November vergangenen Jahres zum Verkauf, nachdem die Schmidt-Bank in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und von einem Bankenkonsortium aufgefangen werden musste.

Laut Branchenkreisen hat die Hofer Bank "wesentlich weniger als ursprünglich erhofft" aus dem Verkauf erzielen können. Als Grund dafür wird in den Kreisen genannt, dass BNP offenbar der einzig verbliebene Bieter für Consors war und dies die Verhandlungsposition der Franzosen gestärkt habe. Bei den Verkaufsverhandlungen spielten für Geschäftsführer Paul Wieandt einer Mitteilung der SchmidtBank zufolge neben dem Erlös "auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Consors sowie die regionalpolitische Verantwortung für den Standtort Nürnberg eine wesentliche Rolle".

Analysten reagierten gelassen auf die Übernahme, da BNP zuletzt als der wahrscheinlichste Käufer galt. "BNP ist insgesamt ein guter Partner. Ich denke, dass dadurch die Arbeitsplätze und der Standort in Nürnberg erhalten werden können", sagte Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch Synergienmöglichkeiten seien durch die Vereinheitlichung der Handelsplattformen da. "Allerdings kann das, wie die Erfahrung bei anderen Übernamen zeigt, oft länger als erwartet dauern."

BNP schmiedet Europas größten Online-Broker

Mit dem Kauf von Consors schmiedet BNP - gemessen an den Kundenzahlen - den größten Online-Broker Europas mit einer Präsenz in sieben europäischen Ländern. Der BNP-Discount-Broker Cortal hatte Ende vergangenen Jahres 391 000 Kunden und Consors sogar 566 000. Consors verfügt zudem über "eine ausgezeichnete Online-Plattform", mit der BNP ihrerseits ihren Online-Auftritt verstärken kann, so die Analystin Birgit Grüner von der Bankgesellschaft Berlin .

Damit würde der bisherige europäische Branchenprimus comdirect auf den zweiten Platz zurückfallen. Die Commerzbank-Tochter hat rund 615 000 Kunden. Cortal nimmt mit 391 000 Kunden bisher den vierten Platz unter den Online-Brokern Europas ein und ist neben seinem Heimatmarkt Frankreich in Belgien, Luxemburg, Italien und Spanien tätig. Consors steht mit einem Bestand von 566 000 Kunden an zweiter Stelle und ist vor allem in Deutschland präsent, aber auch in der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien.

Die Schmidt-Bank hat 2001 voraussichtlich einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro erlitten. Consors hatte vor Steuern einen Fehlbetrag von 212,8 Millionen Euro verbucht. Mit dem Consors-Verkauf will sich die Schmidt-Bank aus ihrer schlechten finanziellen Lage retten. Neben BNP Paribas hatten auch die französische Bank Societe Generale und die Commerzbank Gebote für Consors abgegeben.

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