Schmidt-Bank weiter optimistisch
Consors-Verkauf zieht sich hin

Die Schmidt-Bank ist weiter optimistisch, den Verkauf des Discount-Brokers Consors in absehbarer Zeit abschließen zu können.

"Wir sind in guten Verhandlungen", sagte Schmidt-Bank-Chef Paul Wieandt in Hof am Rande der außerordentlichen Hauptversammlung der Consors-Mutter. Wieandt sieht sich bei den Gesprächen auch nicht unter Druck: "Gut Ding will Weile haben."

Der Sanierer selbst hatte Anfang Dezember angekündigt, die 65 %- Beteiligung an Consors bis Ende März verkaufen zu wollen und hatte das Bankhaus Metzler mit der Durchführung der Transaktion beauftragt. Bisher gibt es jedoch keinen Abschluss. Eine Reihe von Interessenten hatten zuletzt abgesagt, unter anderem die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank sowie Société Générale. Im Rennen ist Branchen-Informationen zufolge derzeit nur noch die französische Großbank BNP. Die Franzosen, die damit den Eintritt in den deutschen Markt schaffen wollen, versuchen jetzt offenbar, den Preis zu drücken. Wieandt wollte sich nicht zu der Kritik äußern, er selbst habe sich mit der Terminsetzung Ende März in eine schlechte Verhandlungsposition gebracht. Consors gehört mit der DAB Bank und Comdirect zu den drei großen deutschen Discount-Brokern. Hohe Verluste bei Consors wie auch die schlechte Stimmung an den Kapitalmärkten beeinträchtigen jedoch die Verkaufsaussichten. Consors, am Neuen Markt notiert, ist derzeit an der Börse rund 570 Mill. Euro wert, der Schmidt-Bank- Anteil somit 380 Mill. Euro.

Sanierer Wieandt könnte das Geld gut gebrauchen. Denn die Situation der Schmidt-Bank, die im vergangenen November nur durch einen Bankenpool vor der Schließung gerettet wurde, ist nach wie vor schlecht. "Das Kapital ist nicht nur einmal, sondern mehrere Male verloren", sagte Wieandt vor den Aktionären. Deshalb soll jetzt eine Kapitalherabsetzung auf Null vollzogen werden. Dann will der private Bankenverband die Schmidt- Bank wieder mit Eigenkapital ausstatten, um die Fortführung der Bank zu sichern. Dazu sind voraussichtlich 300 bis 350 Mill. Euro notwendig, sagte Wieandt.

In der Bilanz für 2001 steht ein Verlust von über 1,3 Mrd. Euro. Etwa 700 Mill. Euro davon entfallen auf Wertberichtigungen für Kredite. Der Rest sind Kosten für die Sanierung sowie Abschreibungen auf Immobilien. Insgesamt sollen rund 40 % der Arbeitsplätze und bis zu 60 der derzeit 125 Filialen geschlossen werden. Dann könne die Bank unter Umständen bis 2006 die operative Gewinnzone erreichen, so Wieandt.

Die Schmidt-Bank stand im November wegen einer völlig verfehlten Kreditpolitik kurz vor dem Aus. Offenbar war die Geschäftslage aber bereits seit langem kritisch. Schon 2000 war die Bankenaufsicht alamiert. Wieandt berichtete, bereits damals habe das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) eine Sonderprüfung veranlasst - offenbar ohne Ergebnis. Bereits in den Jahren 1998 bis 2000 hatte die Bank Wertberichtigungen von zusammen 625 Mill. Euro vorgenommen, die aber aus den alten Bilanzen nicht ersichtlich sind. 2001 wollte der frühere Inhaber Karl Gerhard Schmidt Verluste von 210 Mill. Euro durch eine Höherbewertung der Consors-Beteiligung ausgleichen. Dieses Manöver habe die Bankenaufsicht aber nicht genehmigt. Daraufhin war es zur schwere Existenzkrise gekommen. Von den Aktionären gab es auf der Hauptversammlung kaum Kritik. Allerdings war bereits im Vorfeld ein Abfindungsangebot durch den Bankenverband gemacht worden, das von einem Großteil angenommen wurde.

Quelle: Handelsblatt

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