„Schmuck steht für große Gefühle“
Die Schöne und der Schmuck

Zum 125-jährigen Bestehen des Juwelier- und Uhrenhauses Wempe spricht Firmenchefin Kim-Eva Wempe mit dem Weekend-Journal über die Bedeutung von Schmuck, die Familienehre und wahre Werte im Leben.

In diesem Unternehmen bewirbt man sich früh um den Chefsessel. Sehr früh. Zum Beispiel im Alter von sechs Jahren. So wie Scott Wempe. Per "Piratenvertrag" mit echtem Daumenabdruck erklärte er seiner Mutter Kim-Eva, dass er mit 18 in das Familienunternehmen einsteigen möchte. Da darf man gespannt sein, wann sich das zwei Jahre jüngere Schwesterchen Chiara zu Wort meldet.

Und so muss sich das renommierte Uhren- und Juwelierhaus aus Hamburg im Jahr des 125. Jubiläums keine Sorgen um die Familienherrschaft machen - obwohl Patriarch Hellmut Wempe vor vier Monaten die Führung abgab an seine Tochter Kim-Eva, die Urenkelin des Firmengründers. Er selbst ist leichten Herzens gewechselt in eine Position, die er mit "einer Art Aufsichtsrat" vergleicht.

"Eigentlich hängst du da viel zu früh", blitzt Kim-Eva ihren Vater aus lebhaften braunen Augen an. Sie steht mit ihm unter seinem Porträt in der Eingangshalle im Kontorhaus "Gülden Gerd", dem Stammsitz des Familienunternehmens in der Hamburger Steinstraße. Vor vier Jahren hatte Hellmut Wempe seinen Großvater, den Unternehmensgründer Gerhard Wempe, und seinen Vater Herbert porträtieren lassen. Doch zwei Bilder ergaben irgendwie noch keine Galerie - da ließ er sich auch malen, bevor er das Tagesgeschäft an die Tochter gab. Für die war "die wichtigste Entscheidung 1994 die Übernahme der vollen Haftung", erklärt die quirlige 41-Jährige. "Da war ich 32. Eine gute Altersgrenze. Ich werde das mit meinen Kindern genauso machen."

Wäre die Tochter, die als Mädchen Ballerina werden wollte, nicht 1984 ins Unternehmen eingetreten, die Hamburger Symphoniker und das Israelitische Krankenhaus hätten sich über eine Stiftung freuen können. Zurzeit sieht Kim-Eva ihre Verpflichtung darin, zu bewahren und zu erhalten, was ihr Vater aufgebaut hat: "Wempe ist ein eigenständiger Markenname, das unterscheidet uns von anderen Juwelieren." Was nicht heißen muss, dass alles beim Alten bleibt. Zum Beispiel das Firmenlogo, das sie sich schon vorgenommen hat. Vater Wempe seufzte: "Kim, muss das sein?" Bis dahin beherrschte ein eher hartes Schwarz/Rot das Bild des Hauses und spiegelte damit mehr das Hauptgeschäft wieder: die "männliche" Uhrensparte. Jetzt hat die Chefin, die selbst gern Schwarz trägt, die Corporate Identity des Hauses um ein elegantes, gebrochenes Weiß erweitert. Damit soll betont werden, was bislang eher vernachlässigt wurde: der eigene Schmuck.

Dass das Haus Wempe damit erfolgreich ist, beweist das laufende Jahr. Der Jahresbeginn war "fürchterlich" (Hellmut Wempe), in den 26 Niederlassungen (darunter sogar eine schwimmende auf dem Luxusliner MS Europa) brach das Geschäft ein. Die Wende brachte die Sonderkollektion zum 125. Geburtstag des Unternehmens. "Belohnen Sie den Menschen, der immer an Sie geglaubt hat: sich selbst", forderten die Wempes in der Werbung und offerierten eine Uhrenkollektion, deren Hersteller sich wie das "Who is Who" der Branche lesen: Patek Philippe, A. Lange, Vacheron Constantin, IWC, Rolex, Jager-Le Coultre oder Breitling haben Zeitmesser exklusiv für diesen Anlass kreiert.

Insgesamt 3 375 Uhren standen zur Verfügung, limitierte Auflagen, gemeinsam mit den Manufakturen gestaltet. Das lockt Sammler - mehr als Preisnachlässe, die es bei Wempe nicht gab und nicht gibt. Auf diese Konsequenz ist man stolz im Haus. "Chopard und IWC waren schnell vergriffen, Nomos wird knapp, aber noch sind einige der Jubiläums-Uhren zu haben", sagt Wempe-Sprecherin Nadja Weisweiler.

Auch kostbare Schmuckstücke in den Hausfarben Rot, Anthrazit, Ecru und Gold gehören zur Jubiläumskollektion. Highlight ist ein Diamantcollier für 595 000 Euro. "Ich setzte schon lange auf Schmucklinien, die im eigenen Atelier unter dem Label ,By Kim? hergestellt werden. Aber die Entwicklung dieser Jubiläumskollektion war für mich die bisher größte Herausforderung", gesteht Kim-Eva.

Ihr Motto: "Schmuck steht für große Gefühle". Auch, wenn zum Jahresende der Hamburger Kaffeeröster Tchibo zum größten deutschen Juwelier mutiert und die Republik mit Billig-Diamanten überschüttet? Das sieht die Juwelierin gelassen: "Für unsere Kunden ist das keine Alternative." Den Tchibo-Kunden empfiehlt sie: "Ich würde mir dazu ein schönes Etui besorgen."

Ebenso wie ausgefallenen Schmuck schätzt die aparte Geschäftsfrau schöne Uhren - man sieht es schon an ihrer "Lange 1" am Handgelenk: "Wenn ich auf einer Gesellschaft bin und es will kein Gespräch in Gang kommen, spreche ich meinen Nachbarn auf seine Uhr an." Schon komme die Kommunikation in Gang, denn schließlich habe jede schöne Uhr ihre Geschichte.

Der Wert eines kostbaren Stückes - sei es eine Uhr oder Schmuck - wird dem Besitzer allerdings oft erst bewusst, wenn es verloren geht. "Als ich 18 war, wurde meine Wohnung ausgeräumt. Die Diebe nahmen sämtliche Ohrring mit, da muss eine Frau dabei gewesen sein", erinnert sich Kim-Eva.

Vor fünf Jahren brannte ihre Wohnung. Dabei ging die Uhr, die ihr Mann zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte, verloren. Kim-Eva Wempe: "Wir haben unser Kind aus dem verrußten Bett gerissen und sind raus. Das war das Wichtigste." Denn: Mehr braucht man nicht - so viel zu den wahren Werten im Leben.

Quelle: Handelsblatt

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