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Schmusekurs bei Hertha - Keine Konsequenzen

Berlin (dpa) - Statt knallharte Abrechnung nur Schmusekurs: Die desaströse Zittersaison bleibt bei Hertha BSC ohne Konsequenzen in der Führungsetage.

Berlin (dpa) - Statt knallharte Abrechnung nur Schmusekurs: Die desaströse Zittersaison bleibt bei Hertha BSC ohne Konsequenzen in der Führungsetage.

In der harmonischsten Mitgliederversammlung aller Zeiten wurden in einem Wahl-Marathon alle Vertreter des Aufsichtsrates in ihrem Amt bestätigt, die erneut kandidiert hatten. Auch der zuvor oft kritisierte Chef Rupert Scholz darf weiter regieren, der Ex-Verteidigungsminister bekam vom Hertha -«Volk» mit 428 Stimmen das fünftbeste Wahlergebnis. «Die Leute haben gesehen, dass der Vorstand außer mit Professionalität auch mit Herz antritt», wertete Manager Dieter Hoeneß das Votum als Beweis dafür, dass Herthas Krisen-Management gestimmt habe.

Auch die Inszenierung der Saison-Auswertung und des Ausblicks gelang Hoeneß vor rund 1200 Besuchern im Berliner ICC. Zunächst streute der Manager Asche auch auf das eigene Haupt und sagte zum vor zehn Monaten formulierten Ziel Champions League: «Ohne Wenn und Aber, das war eine Fehleinschätzung.» Dann ging der scheidende «Retter» Hans Meyer nochmals in den Ring und sorgte mit einer Kabarett reifen Rede für Heiterkeit im Saal. «Ich möchte dem Club im Namen meiner Enkel für die Nichtabstiegsprämie danken.» Schließlich übernahm der neue Trainer Falko Götz: «Eins kann ich versprechen, so ein Jahr werden wir nicht mehr erleben.»

In diesem Klima der kollektiven Erleichterung darüber, den schlimmsten Fall, den Sturz in die Zweitklassigkeit gerade noch abgewendet zu haben, blieb jeder Ansatz von Kritik vor der Tür. Zumal die neue Bescheidenheit der «alten Dame» gut ankam. Trotz eines Rekord-Etats von 54 Millionen Euro, was immerhin einem Plus von 10 Prozent zur abgeschlossenen Spielzeit entspricht, werden die Personalkosten 2004/05 auf 25 Millionen Euro reduziert. In der Saison 2002/03 hatten sie noch bei 33,3 Millionen Euro gelegen. Für Neueinkäufe sind gerade einmal eine Million Euro eingeplant.

«Wir haben die Erwartungshaltung auf ein vernünftiges Niveau gebracht», meinte Hoeneß und gab für die neue Bundesliga-Serie das Ziel «einstelliger Tabellenplatz» aus. Dass die Clubführung schon jetzt daran bastelt, in näherer Zukunft doch den Anschluss zur nationalen Spitze zu schaffen, ist kein Geheimnis. So verriet Präsident Bernd Schiphorst, dass Finanzchef Ingo Schiller mit einer «großen internationalen Bank» verhandelt, um neues Kapital heran zu schaffen. Die Verbindlichkeiten liegen derzeit bei knapp 17 Millionen Euro. Neu im nun sechsköpfigen Aufsichtsrat sind Ex-Profi Dirk Greiser und Medien-Manager Torsten-Jörn Klein.

«Der Verein hat die Nerven behalten, das ist etwas Besonderes», fasste Hoeneß zusammen. Die schlechteste Serie seit dem Wiederaufstieg 1997 haben Mannschaft, Management und Aufsichtsrat mit einem blauen Auge überstanden. Eine Wiederholung der Katastrophen-Saison würde allerdings kaum mehr so harmonisch enden.

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