Schnäppchenjagd
Drei Preisschilder: Der Euro an der deutsch-polnischen Grenze

Schnäppchenjäger an der Oder können in wenigen Wochen mancherorts in drei Währungen zahlen. Wenn in Deutschland der Euro kommt, nehmen einige Händler kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze eine Zeit lang nicht nur diesen und Zloty an, sondern auch noch die Deutsche Mark.

dpa FRANKFURT (ODER)/SLUBICE. Am sichersten ist es allerdings, Zloty in der Tasche zu haben, weil es keine einheitliche Regelung gibt. Und im Landesinnern von Polen sollte die deutsche Kundschaft auf alle Fälle die heimische Währung oder eine Kreditkarte parat haben.

Während in der Eurozone die Vorbereitungen auf das neue gemeinsame Geld auf Hochtouren laufen, müssen sich in Polen nur einige wenige Berufsgruppen mit diesem Thema befassen. "Die Euro-Umstellung ist nichts, was Polen direkt betrifft", erklärt der Slubicer Direktor der PKO-Bank, Juliusz Zwirek. Nur wenn seine Landsleute auf Reisen gehen oder nach Deutschland zum Einkaufen fahren, kommen sie mit dem neuen Geld in Berührung. Die polnische Nationalbank (NBP) startete im Mai eine Euro-Informationskampagne. Ausführlich informiert sie im Internet über die neue Währung, im polnischen Fernsehen wurden Werbespots ausgestrahlt.

Das Personal in Polens Banken und Wechselstuben bereitet sich intensiv auf die neuen Scheine und Münzen vor. Die Deutsche Mark soll ab Januar in den polnischen Banken nicht mehr angenommen werden. In Schulungen informierten sich die Mitarbeiter der Banken über den Euro, vor allem über die Sicherheitsmerkmale. In die Hände bekommen bekommen ihn die polnischen Kassierer aber erst im kommenden Jahr. Kleine Probepäckchen mit Euros - wie für die Bevölkerung in der Eurozone - werde es in Polen nicht geben, berichtet der Sprecher der Warschauer Nationalbank, Krzysztof Milnicki.

Sorge vor Falschgeld

Die Händler auf den Basaren und in den Geschäften der Grenzstädte zu Deutschland haben sich mit dem Thema Euro unterschiedlich stark beschäftigt. "Ich bin auf das neue Geld nicht vorbereitet", erklärt Markthändler Robert Bak in Slubice, der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder). Wenn seine deutschen Kunden ab Januar mit den Euroscheinen bezahlen wollten, nehme er sie an. Dass ihm einer in der Anfangszeit, wo die Scheine und Münzen noch ungewohnt sind, Falschgeld unterschieben könnte, hält er für unwahrscheinlich. Für alle Fälle geht er aber auf Nummer sicher: "Ich nehme eben nur kleine Scheine."

Marzena Karelus, die auf dem Grenzmarkt Stoffblumen verkauft, weiß zwar, wie die Euroscheine aussehen. Aber sie fürchtet, dass die deutsche Kundschaft im neuen Jahr ausbleiben könnte, bis sie sich an das neue Geld gewöhnt hat. In Zeiten, in denen wegen des starken Zloty immer weniger deutsche Einkaufstouristen den Weg in die Budengassen der polnischen Grenzmärkte finden, kämpfen die kleinen Markthändler vielfach ums Überleben. Reihenweise sind auf den Grenzbasaren schon Stände geschlossen, weil der Verkauf der Billig- und Kitschware nicht mehr lohnt.

Drei Preisschilder

Die Kollegin ein paar Stände weiter steht hingegen bereits in den Startlöchern. "Ich werde ab Januar keine Mark mehr annehmen", erklärt Danuta Rejter. Die Preise für ihre Damenbekleidung wird sie künftig am aktuellen Zlotykurs orientiert berechnen wie bisher, nur eben in Euro. Im Moment liegt der bei rund 3,60 Zloty für einen Euro.

Andere Geschäftsleute in der Grenzstadt machen sich in den ersten Monaten die Mühe, ihre Ware mit drei Preisschildern zu versehen: Zloty, DM und Euro. Seit Jahren gilt das deutsche Geld in den Grenzstädten als Parallelwährung. Eine offizielle Regelung dafür gibt es nicht. Statt der deutschen Kunden gehen die polnischen Händler zur Bank oder zur Wechselstube. Nach Feierabend tauschen sie dort die eingenommene deutsche Währung Bank in Zloty um.

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