Schneller als erwartet
Ab Mittwoch kann grenzenlos gefeilscht werden

Kunden können beim Einkauf von Mittwoch an grenzenlos feilschen. Bundespräsident Johannes Rau unterzeichnete am Montag das Gesetz zur Aufhebung von Rabattgesetz und Zugabenverordnung, die Preisnachlässen und Geschenken im Einzelhandel bislang enge Grenzen setzten.

rtr BERLIN. Das neue Rabattgesetz wird aber nach Einschätzung des Handels zunächst nicht zum verstärkten Feilschen an den Kassen führen. Vielmehr würden große Unternehmen Nachlässe über Kundenkarten und Zugaben gewähren, sagten Verbandsvertreter. Nur in kleineren Betrieben mit flexibleren Preisen könne wohl auch an den Kassen gehandelt werden. Nach dem Rabattgesetz dürfen Kunden um größere Rabatte feilschen und Händler beim Verkauf Zugaben geben. Verbraucherverbände begrüßten die Regelung, warnten aber vor einer Konzentration des Einzelhandels.

Bundespräsident Johannes Rau unterzeichnete das neue Rabattgesetz nach Angaben einer Sprecherin am Wochenende. Nach der Verkündung im Bundesanzeiger trete es am kommenden Mittwoch in Kraft. Als der Bundestag das Gesetz Ende Juni mit breiter Mehrheit verabschiedete, hatte das Bundeswirtschaftsministerium sein In-Kraft-Treten noch für August angekündigt.

"Die Veränderungen durch das neue Rabattgesetz werden zunächst nicht revolutionär sein", sagte der Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandes (HDE), Hubertus Pellengahr. Größere Unternehmen würden weiterhin Nachlässe über Kundenkarten gewähren. In Bereichen mit knappen Margen wie bei Lebensmitteln seien Rabatte fast unmöglich. Vorstellbar seien sie hingegen bei langlebigen Konsumgütern wie etwa teuren Textilwaren. Die kleineren Firmen hätten schon in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt, ihre Produkte flexibel anzubieten. "Sie können sich nun jedoch nicht auf einen Rabattwettbewerb mit den großen Handelshäusern einlassen, da vielen von ihnen die Substanz dazu fehlt", sagte der Sprecher.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandes (BAG) erklärte, sie erwarte, dass es in größeren Betrieben wie bisher nicht zum verstärkten Feilschen komme. "Die meisten Verkäufer haben auch gar nicht die Kompetenz, darüber zu entscheiden", sagte eine Sprecherin. Eher würden die Unternehmen Rabattkarten, Zugaben und andere Dienstleistungen wie eine Warenlieferung nach Hause anbieten. Feilschen dürften die Kunden wohl eher in den kleineren Betrieben, wie dies bisher bereits teilweise üblich gewesen sei.

Europas größter Warenhaus- und Versandhandelkonzern Karstadt Quelle begrüßte die Streichung der alten Gesetze. "Jetzt haben wir Klarheit in Europa", sagte ein Sprecher. Ein Feilschen an den Kassen werde es aber nicht geben. Der Konzern werde jedoch die sich nun bietenden Möglichkeiten nutzen. Kunden, die drei Paar Socken kauften, könnten mit einem Gratispaar rechnen. Für den Herbst plane der Konzern zudem, Kunden, die mit der Karstadt-Karte kauften, zusätzliche Prämien einzuräumen. Über Rabattkarten bieten bereits mehrere Handelsketten ihren Kunden Prämien oder Nachlässe von bislang maximal drei Prozent an, wenn sie einen bestimmten Umsatz erreichen.

Ähnliche Pläne hegt nach eigenen Angaben auch die Metro-Tochter Kaufhof. "Wir planen verschiedene Aktionen", sagte eine Sprecherin, ohne Einzelheiten zu nennen. Ein Feilschen an der Kasse werde es nicht geben. Es sei jedoch geplant, Kunden mit der Payback-Karte Gutschriften zu gewähren. Kaufhof beteiligt sich bereits am Payback-System, dem mehrere Unternehmen angeschlossen sind.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) begrüßte das Rabattgesetz grundsätzlich, kündigte aber zugleich an, dessen Umsetzung kritisch zu verfolgen. "Kundenbindungssysteme dürfen nicht dazu führen, dass im Einzelhandel nur noch große Ketten eine Chance haben", erklärte VZBV-Chefin Edda Müller. Das Verschwinden kleiner und mittlerer Betriebe und eine Vereinheitlichung der Einzelhandelslandschaft sei trotz kurzfristiger Rabattvorteile langfristig nicht im Interesse der Verbraucher.

In der kommenden Woche beginnt der Sommerschlussverkauf. Wegen des lange schlechten Wetters sind die Lager der großen Handelskonzerne nach Angaben von Unternehmen vor allem mit Textilien, Schuhen und Lederwaren prall gefüllt. Der HDE-Sprecher sagte, es sei fast auszuschließen, dass es auf Nachlässe des Sommerschlussverkaufs noch Rabatte nach dem neuen Gesetz geben werde.

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