Schneller EU-Beitritt im Visier
Klarer Wahlsieg für Bulgariens Ex-König

Der frühere bulgarische König Simeon II. hat bei den Wahlen am Sonntag entgegen ersten offiziellen Angaben doch keine Parlamentsmehrheit errungen. Das teilte ein Mitglied der Zentralen Wahlkommission (ZIK) am Montag in Sofia mit.

dpa/rtr SOFIA. Demnach kommt seine "Nationale Bewegung" auf 120 von insgesamt 240 Parlamentssitze und nicht auf 121 Mandate, wie früher bekannt gegeben worden war. Das Zählergebnis musste korrigiert werden, nachdem die Wahlergebnisse aus der Türkei ausgezählt worden waren, wo aus Bulgarien ausgewanderte Türken ihre Stimme abgegeben durften.

Nach dem neusten Stand der Kräfteverhältnisse im neuen Parlament haben die bisher regierenden "Vereinigten demokratischen Kräfte" (ODS) 51 Mandate. Die aus den früheren Kommunisten hervorgegangenen oppositionellen Sozialisten kamen auf 48, die "Bewegung für Rechte und Freiheiten der türkischen Minderheit" 21 und nicht 20 wie zuvor berechnet wurde.

Simeon hat sich für eine breite Koalition mit jenen Kräften ausgesprochen, die seine Prioritätenliste teilten. Dazu gehört ein schnelles Wirtschaftswachstum, der Beitritt zur Europäischen Union (EU) und zur NATO sowie der Kampf gegen Korruption.

"Nach dem heutigen Tag wird Bulgarien anders sein. Zusammen beginnen wir einen Weg der wirtschaftlichen und moralischen Erneuerung", sagte der 64-jährige Simeon. Er ist der erste Ex-Monarch, dem in einem früheren kommunistischen Land eine politische Renaissance gelang. Über seine künftige Rolle in der Politik des Landes hat er sich bislang nicht geäußert. Ministerpräsident Iwan Kostow hat die schwere Niederlage seiner Union der Demokratischen Kräfte eingeräumt. Sie erhielt laut Wahlkommission etwa 18,24 % der Stimmen. Drittstärkste Kraft ist die Sozialistische Partei mit 17,35 %. Die Bewegung für Recht und Freiheit der türkischen Minderheit kam auf 6,75 % der Stimmen. Vertreter der Nationalen Bewegung hatten sich für ein Bündnis mit der Bewegung für Recht und Freiheit ausgesprochen. Deren Vorsitzender Ahmed Dogan sagte, er sei zu einem Bündnis mit Simeons Bewegung bereit, da beide Parteien ähnliche Ziele verfolgten. Er sei aber auch zu einer Zusammenarbeit mit der Union der Demokratischen Kräfte bereit, jedoch ohne den bisherigen Ministerpräsidenten Kostow.

Kostow räumte ein, dass seine Regierung viele unpopuläre Entscheidungen getroffen und Fehler gemacht habe. "Wir haben dem Wähler einen höheren Preis abverlangt, als er zu zahlen bereit war", sagte er. Im Wahlkampf hatte er Simeon "wilden Populismus" vorgeworfen. Kostows Regierung war die erste seit 1989, die eine volle Legislaturperiode im Amt blieb. Unter seiner Führung wurden die Finanzen stabilisiert, die Inflation gestoppt und Beitrittsgespräche mit der EU in die Wege geleitet. Bulgarien ist jedoch unter den EU-Beitrittskandidaten eines der ärmsten Länder. Die Arbeitslosenquote liegt bei 18 % und das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf bei 1500 Dollar (etwa 3400 DM).

Simeon II. wurde nach einer manipulierten Volksbefragung 1946 aus Bulgarien vertrieben. Drei Jahre zuvor war er im Alter von neun Jahren zum König gekrönt worden. Bevor er im April in die bulgarische Politik zurückkehrte, hatte er in Madrid eine Unternehmensberatung geleitet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%