Schneller gesunken als gedacht
Inflation in Deutschland sinkt Richtung zwei Prozent

Nach Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen meldete auch Bayern einen Rückgang der Inflationsrate für September. Welthandel wächst nur noch halb so schnell

Reuters FRANKFURT. Die geringere Jahresteuerung in drei Bundesländern im September deutet Analysten zufolge darauf hin, dass die Inflationsrate in Gesamtdeutschland auch in den nächsten Monaten um zwei Prozent pendeln wird. Nach Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen (NRW) meldete auch Bayern einen Rückgang der Inflationsrate für September, und zwar auf 2,1 nach 2,5 % im August. Bayern verzeichnete allerdings zum Vormonat einen leichten Anstieg um 0,1 %, während das Preisniveau in den anderen Ländern stabil blieb oder leicht sank. Bis zur Marke von zwei Prozent betrachtet die Europäische Zentralbank (EZB) ein stabiles Preisniveau als gesichert. Volkswirte hatten wegen statistischer Basiseffekte niedrigere Teuerungsraten erwartet.

Die Inflation in Deutschland sei seit dem Höchststand im Mai aber schneller gesunken als gedacht, sagten Analysten. Die EZB habe deshalb Spielraum für weitere Zinssenkungen, sollte die Konjunktur in der Euro-Zone nach den Anschlägen in den USA weiter erlahmen.

Bis Dienstag werden noch Hessen und Baden-Württemberg ihre Preisdaten bekannt geben. Auf Basis der sechs Länder-Inflationsraten ermittelt das Statistische Bundesamt die vorläufige Jahresteuerungsrate für Deutschland und veröffentlicht sie am Dienstag. Von Reuters befragte Volkswirte hatten ein unverändertes Preisniveau zum August und eine Inflationsrate auf Jahresbasis von 2,1 % nach 2,6 % im August prognostiziert. Der starke Preisanstieg im Basismonat September 2000 habe einen deutlichen Rückgang der Jahresteuerung bei monatlich unverändertem Preisniveau erwarten lassen.

In Nordrhein-Westfalen verringerte sich die Inflationsrate auf 2,0 von 2,4 % im August, während das Preisniveau im Monatsvergleich unverändert blieb. Für Brandenburg ergab sich nach Angaben des Statistikamtes eine Jahresteuerungsrate von 2,8 (August: 3,1) Prozent. Sachsen hatte am Freitag nur noch 2,5 nach 2,7 % im Vormonat gemeldet.

Ferienübernachtungen billiger

In allen Bundesländern verbilligten sich nach dem Ende des Sommers Ferienübernachtungen und Pauschalreisen. Heizöl und Kraftstoffe verteuerten sich in allen Bundesländern von August auf September, waren aber noch deutlich billiger als im September 2000, als die Rohölpreise kräftig gestiegen waren. Etwas niedrigere Preise mussten in NRW für Nahrungsmittel gezahlt werden. In Brandenburg und Sachsen glichen sich höhere Preise für Gemüse und Süßwaren mit Preissenkungen bei Fleisch und Obst aus, so dass die Preise insgesamt unverändert blieben. Für die ersten neun Monate errechnete das Statistikamt in Brandenburg eine Jahresteuerung von 3,1 %, in NRW waren es im Schnitt 2,7 %.

Volkswirte verwiesen zwar darauf, dass die Preise nur mäßig gesunken und die Jahresrate wegen des statistischen Basiseffekts gesunken sei, doch auch in den kommenden Monaten sei zu erwarten, dass die Inflation in Deutschland sich der Obergrenze von zwei Prozent annähert. Die Notenbank habe deshalb den Rücken frei für weitere Zinssenkungen, auch wenn sie vor einer Woche bereits mit einer Senkung um 50 Basispunkte gemeinsam mit der US-Notenbank Sorgen vor einem Konjunktureinbruch nach den Anschlägen in den USA begegnet sei. "In den nächsten Monaten dürften wir uns bei zwei Prozent in der Jahresinflation einpendeln. Die EZB kann sich jetzt voll auf die erneut eingetrübten Konjunkturaussichten konzentrieren und hat sogar Spielraum für zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte auf 3,25 % im Schlüsselzins am Jahresende", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management.

Die Inflationsrate sei von den 3,5 % im Mai, als die Teuerung den höchsten Stand seit Dezember 1993 erreicht hatte, schneller gesunken als erwartet, sagte Krämer. Auch Stephan Rieke von der BHF Bank erwartet für die kommenden Monate eine Rate nahe zwei Prozent, wenn es nach möglichen Militäraktionen der USA im Nahen Osten nicht zu einem Energiepreisanstieg kommen sollte. Die Ölpreise fielen unterdessen in London auf den niedrigsten Stand seit fast anderthalb Jahren aus Sorge vor sinkender Ölnachfrage bei einer drohenden weltweiten Rezession. Die EZB hatte in ihrem jüngsten Monatsbericht die Erwartung geäußert, die Inflation werde in der Euro-Zone "in nicht allzu ferner Zukunft" unter zwei Prozent sinken. "Für die EZB steht die Preisentwicklung derzeit nicht im Vordergrund, sondern die Risiken liegen eindeutig auf der Konjunkturseite.

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