Schneller Tod der Astronauten: Raumfahrt-Experte: Hitzeschild hat vermutlich versagt

Schneller Tod der Astronauten
Raumfahrt-Experte: Hitzeschild hat vermutlich versagt

Nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" vermuten die meisten Experten einen defekten Hitzeschild als mögliche Ursache.

HB/dpa HAMBURG. Heinz-Hermann Koelle , Berliner Raumfahrt-Experte: "Der Absturz selbst war zweifellos eine Folge der Auflösung der Struktur der Raumfähre, weil der Hitzeschild versagt hat." Fünf Gründe kämen als Auslöser für ein Versagen des Schildes in Frage: Eine Beschädigung der Raumfähre beim Start, Wartungsfehler, Materialmüdigkeit, Führungsfehler oder eine Reifenexplosion.

Ernst Messerschmid , deutscher Astronaut: Das abgestürzte Space Shuttle habe vermutlich einen Hitzeschild oder die Fluglagekontrolle verloren. Darauf deuteten erste Vermutungen aus NASA-Kreisen. "Ich gehe weniger von einer Explosion aus, sondern vom Verlust eines wichtigen Systems und einem schrittweisen Auseinanderbrechen."

Fabian Eilingsfeld , deutscher Raumfahrtexperte: Schon ein kleiner Defekt am Schutzschild könne beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wegen der extrem hohen Temperaturen zur Katastrophe führen. "Das ist die strukturell belastendste Phase des gesamten Fluges. Wenn am Schutzschild etwas fehlt, hält die darunter liegende Aluminiumstruktur der thermischen Belastung nicht stand."

Ulrich Walter , deutscher Astronaut: Das beim Start gelöste Teil des Tanks könnte "ein paar Kacheln an der Vorderkante des linken Flügels der Raumfähre ausgeschlagen" haben. US-Spezialisten wollten nach CNN - Angaben nun ein Isolier-Element der Außenhülle noch einmal genauer untersuchen, das sich beim Start gelöst hatte und gegen den linken Flügel geprallt war.

Monika Auweter-Kurtz , Institut für Raumfahrtsysteme der Stuttgarter Universität: Die Katastrophe der US-Raumfähre "Columbia" hätte ihrer Ansicht nach mit einem modernen Wärmeschutz verhindert werden können. "Die Technologie des Space Shuttles wurde 1974 eingefroren. Auch die Fähre selbst ist über 20 Jahre alt. Ein modernes Fahrzeug wäre auf jeden Fall sicherer gewesen."

Don Nelson , früherer NASA-Ingenieur, geht weiter: "Die jüngste Katastrophe ist auf das verheerende Missmanagement an der NASA-Spitze zurückzuführen." Die NASA habe ständig das Drängen von Experten auf die Entwicklung besserer "Rettungsmodelle" für die Shuttle-Besatzung ignoriert.

Volker Liebig , Programmdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Der Absturz der "Columbia" werde den Aufbau der Internationalen Raumstation ISS auf noch unabsehbare Zeit verzögern. "Die Amerikaner werden keinen Shuttle mehr hochschicken, bevor der Fehler gefunden ist."

Klaus Berge , Projektdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Eine neue Shuttle-Generation stehe erst in etwa 15 Jahren bereit. "Die NASA-Planungen sehen das Jahr 2020 vor, aber mit zusätzlichem Geld könnte man die ersten Flüge mit neuem Gerät auch 2015 schaffen." Auch der Kölner Experte sieht fehlende Kacheln im Hitzeschild als mögliche Unglücksursache.

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