Schnurlose Zugänge ins Internet an öffentlichen Plätzen sind „in“ – aber bringen den Anbietern noch kein Geld
Das lange Warten auf den großen Bruder

Heute sind selbst die WLAN-Hotspots kommerziell kaum etwas Wert. Das kann sich ändern, wenn der Bedarf steigt. Die Parole der Betreiber heißt deshalb überwintern, bis die richtigen Partner kommen.

DÜSSELDORF. Es hat als fröhliche Anarcho-Idee begonnen: An öffentlichen Plätzen wie in Parks oder auf Flughäfen richteten Fans Internetzugänge ein, über die sich die Besucher schnur- und kostenlos ins weltweite Netz einwählen können. Inzwischen haben sich diese "wireless Hotspots" zu einem echten Trend gemausert. Doch der Sprung vom Freak-Markt zum Geschäftsmodell steht noch aus. Umsatz ist mit den so genannten WLAN-Zugängen (Wireless Local Area Network) kaum zu erwirtschaften, obwohl der Nutzen für E-Business-Arbeiter immer stärker sichtbar wird. Der Markt ist noch zu jung.

Für die Zugangsanbieter an den Hotspots heißt es deshalb jetzt durchhalten und erstklassige Plätze wie Hotels oder Flughäfen "blockieren", bis die Firma übernommen wird oder einen Partner findet. Die Gefahr: Weil die Technik billig ist, könnten Mobilfunk- und Festnetzanbieter selber Hotspots aufbauen. Die Hoffnung: Weil die Telekoms zu langsam waren, sind die guten Plätze alle weg, und sie werden sich einkaufen müssen.

Alleine geht es kaum. "Es ist extrem schwer, eine kommerzielle WLAN-Strategie aufzubauen", sagt Cathy Dobson, Geschäftsführerin der Düsseldorfer Beratungsfirma Spectrum Strategy Consulting. Die USA dienen als warnendes Beispiel: Der Betreiber des Netzes der Coffee-Shop-Kette Starbucks, die Mobilestar Network Corp., schaltete vergangenen Oktober die Netze ab. Das Geld war alle, Kundenpotenzial und Markt waren falsch eingeschätzt worden. Anfang 2002 kaufte die Telekom-Tochter Voicestream die Reste.

Die Mobilestar-Pleite hat gezeigt, dass Hotspot-Businessmodelle nur auf der Basis von Zugangsgebühren kaum tragfähig sind. "Die Preise", sagt Dobson, "gehen den gleichen Weg wie beim Festnetz-Internet." Also abwärts.

Die Wayport Inc., die auch Four-Seasons-Hotels unter Vertrag hat, zog daraus Konsequenzen. Als einer der erfolgreicheren Anbieter im US-Markt hatte Wayport zunächst als Betreiber kostenlos Netze etwa in Hotels aufgebaut. Nun wird eine Kostenbeteiligung verlangt.

Auch die Münchener Wlan GmbH hat dazu gelernt. Sie stattet als Betreiber zum Beispiel Hilton- und Lindner-Business-Hotels mit WLAN aus. Heute müssen die Hotels die Kosten der Verkabelung selber tragen. Die Lindner Hotels wollen noch keine WLAN-Bilanz ziehen, dafür sei das seit drei Monaten laufende Angebot noch zu neu, heißt es. Wie zäh das Geschäft anläuft zeigt aber Wayport: In gerade 3 bis 7 % der Hotelzimmer wird täglich eine Verbindung hergestellt. Stefan Mennecke von Wlan in München nennt derzeit zurückhaltend "einige Verbindungen" pro Tag und Hotel. Er verhandelt mit Wayport über Roaming-Abkommen und technische Vereinheitlichung. Dann könnten US-Kunden von Wayport sofort in europäischen Hotels online gehen und bekämen bequem in den USA eine Gesamtrechnung.

Das würde auch Iris Kreuzberg vom Konferenzveranstalter Euroforum freuen. Euroforum will die teure ISDN-Technik im Konferenzsaal abschaffen. Was aber noch fehlt, sind einheitliche Technik und Rahmenverträge. "Erst dann fährt man hin, klappt das Notebook auf und los gehts", sagt Kreuzberg. Dann wären auch personalisierte Dienste für Konferenzteilnehmer denkbar oder der Webzugang pauschal mit der Kongressgebühr.

Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Cathy Dobson: "Die Gewinner werden Festnetz- und Mobilfunk-Anbieter sein." Die WLAN-Betreiber werden deren Technik brauchen, um die Abrechnung zu vereinfachen. IBM und Nokia etwa arbeiten schon an Projekten, die WLAN-Identifizierung über Sim-Karten wie in Handys zu ermöglichen. Die Gebühren würden dann über die normalen Telefonrechnungen abgebucht. Eine Hand wäscht die andere.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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