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Schock für Jaguar - Geduldsfaden von Ford ist gerissen

Für Traditionsmarken in der Autobranche sind harte Zeiten angebrochen: Weil die US-Autoriesen Ford und General Motors auf ihrem Heimatmarkt wegen zu hoher Kosten, schwachem Absatz und der japanischen Konkurrenz mächtig unter Druck geraten sind, ist ihnen der Geduldsfaden mit ihren europäischen Marken gerissen. GM will Kosten im dreistelligen Millionenbereich einsparen und spielt unverhohlen mit dem Gedanken, bei Opel oder Saab ein Werk zu schließen. Nun kündigte Erzrivale Ford am Freitag drastische Einschnitte beim britischen Luxushersteller Jaguar an.

dpa-afx LONDON. Für Traditionsmarken in der Autobranche sind harte Zeiten angebrochen: Weil die US-Autoriesen Ford und General Motors auf ihrem Heimatmarkt wegen zu hoher Kosten, schwachem Absatz und der japanischen Konkurrenz mächtig unter Druck geraten sind, ist ihnen der Geduldsfaden mit ihren europäischen Marken gerissen. GM will Kosten im dreistelligen Millionenbereich einsparen und spielt unverhohlen mit dem Gedanken, bei Opel oder Saab ein Werk zu schließen. Nun kündigte Erzrivale Ford am Freitag drastische Einschnitte beim britischen Luxushersteller Jaguar an.

Die Nachricht von der Schließung des Werks Browns Lane am Stammsitz Coventry ist für die traditionsreiche Autoschmiede, die Gewerkschaften und die britische Regierung ein Schock. Dort baut Jaguar seit 1928 edle Nobelkarossen, im Zweiten Weltkrieg vorübergehend Flugzeugteile. Die Gewerkschaften haben angekündigt, notfalls mit Streiks das Werk noch retten zu wollen. Ford habe 1998 versprochen, Browns Lane weiter zu betreiben. Dort montieren mehr als 2 000 Mitarbeiter das Sport-Coupe XK und die Limousine XJ.

Coventry Bleibt Stammsitz

Ein schwacher Trost ist, dass die Firmenzentrale in Coventry bleibt und 300 Beschäftigte noch Holz-Innenausstattungen produzieren werden. Der Rest wird entlassen, soll zu Ford wechseln oder geht vorzeitig in Rente. Die Produktion wird ins Jaguar-Werk nach Castle Bromwich bei Birmingham verlagert, auch das Werk in Liverpool (Halewood) soll Aufgaben übernehmen.

Doch überraschend kommt das Aus nicht. Die Kosten sind zu hoch, die Auslastung der drei Jaguar-Werke soll derzeit bei nur 68 % liegen. Seit dem Jaguar-Einstieg vor 15 Jahren haben sich die Erwartungen der Amerikaner nie erfüllt. Große Hoffnung hatte Ford in eine veränderte Modellstrategie gesetzt, die aber nur teilweise aufging. Die Briten brachten das kleine, günstigere Modell X auf den Markt, um Jaguar auch für Käufer mit einem schmaleren Geldbeutel interessant zu machen.

Nase Rümpfen Über Ford-Teile

Inzwischen trägt das Modell zwar zur Hälfte zum gesamten Jaguar-Absatz von 123 000 Fahrzeugen (2003) bei, nach Ansicht von Branchenexperten wurde dies aber mit einer Verwässerung des Markenimages bezahlt. Jaguar-Fahrer rümpften die Nase, dass der X-Typ sich mit dem Ford Mondeo Komponenten teilte. "Wer für Jaguar das Doppelte eines Jahresgehalts hinlegen soll, will keine Ford-Teile bekommem", meint ein Frankfurter Analyst.

Jahrelang klammerten sich die Briten aber an die Hoffnung, steigende Absatzzahlen würden die Zukunft des Werks doch noch retten. Doch im ersten Halbjahr 2004 machte die Ford-Luxussparte mit den Marken Land Rover, Aston Martin, Volvo und Jaguar einen Verlust von rund 360 Mill. $. Per August sank der Jaguar-Absatz in den USA um 12 % auf 21 088 Autos.

Jaguar-Absatzziel Gekürzt

Während Volvo wieder profitabel ist und Land Rover sowie Aston Martin bald die Ertragswende erreichen sollen, hatte Jaguar nach Branchenangaben etwa die Hälfte des gesamten Verlustes zu verantworten. Das Jahresziel von 140 000 verkauften Autos war nicht mehr zu halten, die Produktion wurde um 15 000 Fahrzeuge gekürzt. Nun platzte den Ford-Chefs im fernen Dearborn endgültig der Kragen.

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